Aus dem Amerikanischen von David Mayer. Mit dem dritten Band des "Modernen Weltsystems" setzt Immanuel Wallerstein sein monumentales Werk über die Geschichte der Neuzeit fort. Es ist eine eindrucksvolle Wirtschafts- und Sozialgeschichte aus globalhistorischer Perspektive, deren Hauptaugenmerk auf die Herausbildung von Zentrums- und Peripherieräumen gerichtet ist. Wallerstein verfolgt jene Phänomene, die heute unter dem Stichwort "Globalisierung" die Debatte beherrschen, lange Jahrhunderte zurück. Das kapitalistische Weltsystem und seine von Arbeitsteilung, Akkumulation und ungleichen Abhängigkeitsverhältnissen geprägte Logik lassen zwei wichtige Ereignisse des 18. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen: die Industrielle Revolution und die Französische Revolution.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.03.2005
Ziemlich dürftig findet Rezensent Malcolm Dunn dieses Werk des amerikanischen Soziologen Immanuel Wallerstein, das zwei Punkte der herkömmlichen Geschichtsschreibung gerade rücken möchte: In Großbritannien habe sich keine "industrielle Revolution" und in Frankreich keine "bürgerliche Revolution" zugetragen. Dabei wischt Dunn die Argumente Wallersteins als irreführend, verwegen und gar als Zumutung vom Tisch. Denn auch für Wallerstein sei schließlich unbestritten, dass sich im 18. Jahrhundert in Großbritannien die Produktivkräfte erheblich umgewälzt haben und und in Frankreich zweifellos auch etwas passiert sei. Von Wallersteins Darstellung erfährt man leider nicht viel, denn der Rezensent scheint sie für so hanebüchen zu halten, dass er sich nicht die Mühe macht, sie darzulegen. Man ahnt nur, dass es dem Marxisten Wallerstein darum geht zu belegen, dass die Französische Revolution nicht dem Antagonismus von Bürgertum und Adel entsprang. Meist begnügt sich der Rezensent mit einem zitierten Halbsatz, über den er dann weidlich spotten kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2005
1989 im englischen Original erschienen, ist der dritte Band von Immanuel Wallersteins "Monumentalwerk" über das "moderne Weltsystem" nun endlich übersetzt worden. Und setzt, schreibt H. D. Kittsteiner, seine Historiographie der Ernüchterung fort. Die Französische Revolution? Kein "revolutionärer Antifeudalismus", sondern eine "antikapitalistische Reaktion"."Und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg mit all seinem demokratischen Pathos?" Verteilungskämpfe der Sieger. Denn bestimmt wurden all diese Vorgänge vom Weltmarkt, der in seinen globalen Dimensionen durch die Expansionen der europäischen Nationen entstand, deren Konkurrenz die geschichtlichen Ereignisse bestimmte. Die Akteure hießen im 18. Jahrhundert England und Frankreich. England siegte, Mutterland und Kolonien stritten sich um die Beute. Ein Klassiker der Geschichtsschreibung, meint Kittsteiner, der allerdings vom Leser durch die Lektüre von Ergebnissen der neueren, "interaktiven Geschichtsschreibung" ergänzt werden sollte, die nicht mehr von Europa als Zentrum und Schaltzentrale ausgeht.
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