Aus dem Arabischen von Joel Laszlo. Was wäre, wenn um Mitternacht plötzlich die gesamte palästinensische Bevölkerung Israels auf unerklärliche Weise verschwände, als ob sie von Außerirdischen entführt worden wäre? Ariel, der Journalist, und Alaa, der Freelance-Kameramann, leben im selben Wohnhaus in Tel Aviv. Beide sind sie Israelis, Ariel jüdischer und Alaa palästinensischer Herkunft, beide lieben ihre Heimatstadt, in der sie aufwuchsen und Freunde geworden sind. Eines Morgens sind im ganzen Land die Palästinenserinnen und Palästinenser verschwunden. Der gesellschaftliche Verlust ist sofort spürbar, die Verwirrung riesengroß. Es fahren keine Busse mehr, im Spital fehlen Ärzte, der beste Hummusladen bleibt geschlossen. Handelt es sich um einen Generalstreik, einen geplanten Angriff? Oder gar um ein Wunder Gottes zur Rettung Israels? Auf der Suche nach Alaa findet Ariel in dessen Wohnung ein rotes Notizbuch, die Lebensgeschichte von Alaas Großmutter. Er nimmt sich vor, die Aufzeichnungen ins Hebräische zu übertragen und eine Chronik der Zeit vor dem Verschwinden zu verfassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2023
Die palästinensische Autorin Ibitsam Azem hat ihren Roman bereits vor zehn Jahren auf Arabisch veröffentlicht, weiß Rezensent Moritz Baumstieger. Dass er beim Erscheinen der deutschen Übersetzung nicht an Brisanz verloren hat, kann Baumstieger nicht wirklich freuen: Azem denkt in ihrem Buch das plötzliche Verschwinden aller Palästinenser aus Israel und den besetzten Gebieten durch. Das jüdische Israel ist verunsichert, geschockt und erfreut zugleich, erzählt der Rezensent, die einen fragen sich vielleicht, ob die Armee ihre Hände im Spiel hat, die anderen, ob es ein finsterer Plan der Araber ist. Baumstieger entdeckt in dieser grotesken Fantasie so viele zahllose treffende Szenen und Figuren, dass er die Autorin nur beglückwünschen und bedauern kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2023
Wie wichtig unser Gedächtnis nicht nur für unsere Vergangenheit, sondern auch für unsere Zukunft ist, liest Rezensent Jakob Hessing in Ibtisam Azems multiperspektivischen Roman über Israel - und darüber, wie die Palästinenser in dem Land kein Gedächtnis haben dürfen. Das betrifft auch einen der palästinensischen Charaktere, dessen Erinnerung vor allem von seiner Großmutter geprägt wird, die jahrzehntelange Nahostkonflikte erlebt hat und deren Tod schon auf das vorbereitet, argumentiert Hessing, was in Kapitel 5 passiert: Die Palästinenser sind von einem auf den anderen Tag spurlos verschwunden und der Kritiker liest das auch als Entwurf einer bedrohlichen Möglichkeit als Kontinuität einer sich zuspitzenden Situation. Er ist als in Israel lebender Jude froh darüber, dass auch viele Israelis gegen Netanjahus Politik aufstehen. Und ebenso froh um Azems klugen Roman voll genauer, treffender Beobachtungen.
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