Horst Peiskers Gedichte wurden über viele Jahre hinweg als lyrische Kolumnen in Zeitschriften und Zeitungen abgedruckt, da er in seiner Dichtung immer wieder unverblümte Bilder seiner Umgebung festgehalten hat. Wie im Titel-Gedicht "Dillingers Blau" sind es verwegene Gestalten, die da über einen hereinbrechen wie Naturgewalten, eigensinnige Kämpen vom Format eines Charles Bukowski, der gleich in mehreren Gedichten auftritt. Neben diesen großen Namen ist dem Dichter Peisker eine kleine Meute von fast Namenlosen in der Erinnerung übriggeblieben, in ausgestorbenen Eckkneipen haben sie eine ungefähre letzte Heimat. Ähnlich den Raubeinen und gesellschaftlichen Randerscheinungen in den Gedichten springen Landschaftsbilder ins Auge. Sie sind weniger schroff als die von Horst Peisker liebevoll porträtierten, aber sie fordern zu einer Hingabe heraus, die ebenso radikal und kompromisslos ist wie jene. Der gebürtige Unterfranke hatte 1983 seinen Prosa-Band "Maniac" und 1988 "Das Ballhaus" veröffentlich. Mit Helmut Qualtinger hat er Texte vorgetragen und auf der CD "Tagesbefehl" eingespielt (Preisser Records, Wien 2004) und war regelmäßig im Stadtmagazin "Auftritt" zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.08.2006
Hans-Klaus Jungheinrich stellt anlässlich der Neuauflage der Gedichtsammlung "Dillingers Blau" den Frankfurter Lyriker und Erzähler Horst Peisker vor, den er maßgeblich von seinem regionalen und sozialen Umfeld geprägt sieht. Die fast 100 Gedichte bieten neben "zynischen" Balladen, Erinnerungen an Charles Bukowski, der dem Autor zeitlebens besonders wichtig war, auch Naturgedichte, und die haben es dem Rezensenten offensichtlich besonders angetan. Angesichts der durchaus traditionellen Motivik des Gedichts "Herbst" beispielsweise bietet Jungheinrich mit dem Hinweis auf dessen vollendete "Schönheit" jedem vermeintlichen Angriff auf den Lyriker energisch Einhalt. Er sieht hier einen "Großstadtdichter" vor sich, dem dennoch authentische Naturdarstellungen gelingen und der bei allem persönlichen Erleben, das in seine Gedichte einfließt, trotzdem nicht zum Narziss wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2006
Mit einiger Überraschung hat der Rezensent Karl Corino den Lyrikband "Dillingers Blau" zur Seite gelegt. Denn Horst Peisker, der "maniac" der Achtziger Jahre, der "mad authentics" schrieb, legt hier zwar einen Band vor, der als eine Art "lyrische Summe seiner Arbeit" gelten kann, doch er enthält einen unvermuteten Reichtum an Zwischentönen. Ob als Satire oder als Hymne, Peiskers Verse "entdecken oft das Lob im Schäbigen und Kümmerlichen" und halten in den Augen des Rezensenten sogar "eine Lehre vom Schönen, vielleicht sogar eine Theologie" bereit, etwa im Gedicht "Mister Mistel", das der Rezensent als Schlüsseltext betrachet. Doch vor allem hat ihm Peiskers Wiederbelebung der Ballade gefallen, die Wiederentdeckung, dass Lyrik auch zum Erzählen taugt. Dabei beweise Peisker ein wahrhaft glückliches Händchen: Über seinen Balladen-Enden hängen keine Moralkeulen, sondern rätselhafte Damokles-Schwerter.
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