Herausgegeben von Thomas Schlich und Claudia Wiesemann. Die biologischen Phänomene Leben und Tod werden immer in bestimmten kulturellen Kontexu wahrgenommen und bewertet. Jede Grenzziehung zwischen Leben und Tod ist daher kulturbedingt. Das gilt auch für den Hirntod. Die Beiträge dieses Bandes zeigen aus historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive, wie in verschiedene kulturellen Kontexten die Grenze zwischen Leben und Tod gezogen wurde und wird. Die Einordnung des Hirntodes in diese Gesamtbetrachtung macht es möglich, die Frage nach der Gültigkeit des Hirntodkriteriums in der ihr angemessenen Art und Weise, nämlich als genuin ethisches Problem, zu diskutieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.09.2001
Die Feststellung des Todes ist eine "Kulturleistung" und damit kontextabhängig, zitiert Ulrike Baureithel den Herausgeber dieses gepriesenen Sammelbandes, der sich dem aktuellen Thema Hirntod aus medizinhistorischer Sicht annimmt. Gut zwölf Beiträge sind darin versammelt, die u.a. das Verhältnis zum Tod in Antike, Mittelalter bis hin zur Frühen Neuzeit resümieren, als man begann, die Priester vom Totenbett zu vertreiben. Denn bis ins 18. Jahrhundert, verkündet Baureithel, sei die Berührung mit dem toten Körper ein Tabubruch gewesen, erst danach hätten Ärzte und Wissenschaftler begonnen, den Körper für sich zu reklamieren. Auch zur heutigen Debatte über die ins Fließen geratenen Grenzen zwischen Leben und Tod liefert der Band viele gute Beiträge, so Baureithel; Claudia Wiesemann skizziere z.B. die Debatten der 60er Jahre, die zum heutigen Hirntodkonzept und dem Anfang der 90er eingeführten Transplantationsgesetz geführt haben. Vor allem an der Diskussion um Substitutionstherapien und Organspenden lässt sich für Baureithel ablesen, wie Lebensbeginn und -ende "kulturell definierte und umkämpfte Grenzen" sind.
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