Hilge Landweer

Scham und Macht

Phänomenologische Untersuchung zur Sozialität eines Gefühls
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 1999
ISBN 9783161471292
Broschiert, 229 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Unter welchen Bedingungen kann Scham entstehen und verändert werden? Kann Scham als Sanktion aufgefasst werden? Wie eng sind Scham und Macht verbunden? Hilge Landweer zeigt, das die Anerkennung von Handlungsnormen als Machtprozess beschrieben werden kann. Normen werden über Scham leiblich im Individuum verankert und dadurch bestätigt. Die Hauptwirkung der Machtprozesse besteht dabei weniger in akuter Scham als in der Schamvermeidung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2000

Ein Buch, meint Rezensent Wolfgang Sofksy, das eine Menge interessanter Details und Einsichten bietet, aber in seiner zentralen These wenig überzeugt. Die Autorin, die das Gefühl der Scham phänomenologisch zu ergründen versucht, bringt Scham in direkten Zusammenhang mit dem Begriff der Norm. Sofksy hält jedoch nicht die Anerkennung der Norm für ausschlaggebend, sondern inwiefern sie zum eigenen Ideal gehört; typisch sei das Gefühl persönlichen, nicht allgemeinen Ungenügens. Auch den Ausführungen der Autorin über das Zusammenspiel von Macht und Scham kann Sofksy nicht folgen. Zu kurz gegriffen, meint der Rezensent, denn bei Androhung negativer Sanktionen fährt Macht den Menschen in die Knochen, hält ihren Körper besetzt - nicht aus Scham, sondern vor Angst.