Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Der Hawk ist eine Legende im Kalifornien des Goldrausches: Riesenhaft soll er sein, furchtlos, wild. Doch hinter dem Mythos steht die Geschichte von Håkan, der einst aus der schwedischen Heimat nach New York geschickt wurde, zusammen mit seinem großen Bruder, den er unterwegs verliert. Er landet in San Francisco, auf der falschen Seite des unbekannten Kontinents. Fest entschlossen, den Bruder zu finden, macht er sich zu Fuß auf den Weg, entgegen dem Strom der Glückssucher und Banditen, die nach Westen drängen, hin zum neuen gelobten Land. Noch ahnt Håkan nicht, dass er sein Leben lang unterwegs sein wird.
Trotz der Nominierung für den Pulitzer Prize hält Rezensent Christoph Schröder Hernan Diaz' nun auf Deutsch erschienenen Debütroman schlicht für "missglückt". Schon mit der Ausgangssituation hat er Probleme: Wer der Erzähler sein solle, der in der dritten Person und sprachlich durchaus anspruchsvoll die Lebensgeschichte eines sprachlich beschränkten, plötzlich im arktischen Eis auftauchenden Manns schildert, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach seinem Bruder durch die amerikanische Wildnis schlägt, erschließt sich dem Kritiker nicht. Auch mit dem zwanghaft mythisch aufgeladenen, dabei aber oft "pathetisch hohl" geratenen Tonfall, kann der Kritiker sich nicht anfreunden; ebenso wenig mit der effekthascherischen Aneinanderreihung brutaler Szenen - sehnsüchtig denkt er an bessere Bücher zum Thema, etwa von Joseph Conrad oder Cormac McCarthy, zurück. Immerhin Diaz' literaturtheoretische Kompetenz und sein Versuch, den Mythos des Wilden Westens zu durchbrechen, erkennt der Kritiker an. Ins Gewicht fällt das für Schröder allerdings nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2021
Rezensentin Maike Albath vergleicht Hernan Diaz und seinen Roman um einen ruhelosen Cowboy Mitte des 19. Jahhrunderts auf dem Weg durch die Prärie mit Cormac McCarthy. Kurz: Diaz schneidet nicht gut ab. Auch wenn der Autor eigene Erfahrungen von Wurzellosigkeit in seinem Text verarbeitet, so richtig mitreißend wird es für Albath nicht. Das liegt für sie an der monotonen Perspektive des Romans und einer ebenso einfallslosen Rahmenkonstruktion, aber auch daran, dass das gedankliche Niveau der Figur ihr mitunter unglaubwürdig erscheint. Von McCarthys narrativer Raffinesse keine Spur, findet sie.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…