Said Sayrafiezadeh

Kurze Berührungen mit dem Feind

Erzählungen
Cover: Kurze Berührungen mit dem Feind
Hanser Berlin, Berlin 2014
ISBN 9783446246560
Gebunden, 256 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell. Früher oder später begegnet jeder seinem Feind. Saïd Sayrafiezadeh erzählt von den täglichen Kämpfen um Anerkennung, Liebe und einen sinnvollen Platz auf dieser Welt. Kellner, Lehrer, Soldaten, Angestellte im Supermarkt das ist das Personal dieser Geschichten aus einer namenlosen Stadt in den USA. Sayrafiezadeh interessiert sich für das soziale Gefüge, in dem Menschen zusammenleben, zusammenarbeiten, für die Unüberwindlichkeit der Klassen. Die Figuren, die er in seiner direkten Sprache mit ihren Sehnsüchten und ihrer Verletzlichkeit zum Leben erweckt, kommen einem sehr nah.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014

Rezensentin Lena Bopp macht sich besser keine Illusion, was das Glück der Figuren in Said Sayrafiezadehs Erzählungen angeht. Sie schaffen es einfach nicht, innere und äußere Welt, ihre Möglichkeiten und die Verheißungen des Systems zur Deckung zu bringen, erklärt sie. Worum es dem Autor mit seinen Geschichten über Menschen in deprimierenden Arbeits- und Beziehungsverhältnissen zu tun ist, ahnt Bopp daher auch: es geht um die gesellschaftlichen Zustände, weniger um Einzelschicksale. Stilistisch sieht Bopp das ebenfalls ausgedrückt - durch das planmäßige Fehlen von Orts- und Zeitangaben etwa, das laut Bopp übrigens einem angenehm tragikomischen Ton Platz schafft.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.08.2014

Der eine, große Feind, den Said Sayrafiezadehs Erzähler in "Kurze Berührungen mit dem Feind" haben, ist Sayrafiezadeh selbst, hat Hannes Stein vom Autor erfahren. Sie sind alles, was er nicht ist, erklärt der Rezensent. Der Autor hat einen "schwierigen, fremden Namen", schwarze Haare, braune Haut, bekam als Kind von seiner Mutter den Hass auf Amerika und die Hoffnung auf eine kommunistische Weltrevolution eingetrichtert, ist belesen, gebildet, berichtet Stein. Seine Erzähler sind ausnahmslos weiß, haben Durchschnittsjobs und leben in namenlosen amerikanischen Städten Durchschnittsleben, fasst der Rezensent zusammen. In jeder der Geschichten des Bands kommt außerdem ein weit entfernter, undefinierbarer Krieg vor, den die Erzähler, meist aus eigenwilligen Gründen, begrüßen - ebenfalls anders als Sayrafiezadeh, fügt Stein hinzu. Die Geschichten wären düster, wäre der Ton des Autors nicht vertraut leicht und schnörkellos poetisch, so der Rezensent.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…