Die Wirtschaftsunternehmen der SS, in denen zehntausende KZ-Gefangene Zwangsarbeit leisten mussten, sind bis heute unzureichend erforscht. Hermann Kaienburg, bekannt durch einschlägige Veröffentlichungen über die Geschichte der Konzentrationslager, legt hier nach sechsjährigen Forschungen und eingehenden Recherchen in vielen Archiven zwischen Washington und Moskau ein umfassendes Werk vor. Die Studie befasst sich ausführlich mit der Geschichte der SS, ihrem Selbstverständnis und ihrer Rolle im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Sie analysiert dier ersten dilettantischen wirtschaftlichen Versuche der SS, ihre ab 1938 stark ansteigenden Aktivitäten und die allmähliche Professionalisierung. Neben eingehenden Recherchen über die wichtigsten Einzelbetriebe der SS bei Konzentrationslagern bietet der Band einen Überblick über alle existierenden SS-Unternehmen sowie vertiefende Detailstudien zu ausgewählten Betätigungsbereichen innerhalb der Wirtschaft des NS-Staates.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2004
Das Buch verspricht eine "analytische Betrachtung" und ist 1200 Seiten dick. Ein bisschen viel, findet Jost Düffler, nachdem er sich durch "unzählige betriebswirtschaftliche Analysen" gekämpft hat. Doch schmälert der Tadel am Umfang kaum die Verdienste von Kaienburgs Studie, die sich dadurch auszeichnet, dass sie die Logik der wirtschaftlichen Unternehmungen des SS aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive der damaligen Verantwortlichen nachzeichnet, wobei "Oswald Pohls Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS" hervorgehoben wird. Die SS, so die Diagnose, hat das KZ-System zu einem "riesigen europäischen Wirtschaftsunternehmen" gemacht, das allerdings unprofitabel arbeitete, da Vernichtung und ökonomische Interessen einen Widerspruch bildeten. Düffler hebt als positiv hervor, dass Kaienburg den Blick nicht retrospektiv vom Ende der Nazi-Herrschaft einschränken lässt, sondern die langfristige, ökonomisch fundierte Machtstrategie Himmlers darstellt. Und: Nach tausend Seiten setzt sie dann doch ein, die Analyse, und findet das Lob des Rezensenten.
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