Herman Melville

Bartleby

2 CDs
Cover: Bartleby
Parlando Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783935125260
CD, 23,00 EUR

Klappentext

2 CDs, 114 Minuten Laufzeit. Ungekürzte Lesung von Christian Brückner. Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schnack. "Ich möchte lieber nicht." - Stets ist das seine Antwort, wenn den schrulligen, hinter einem Wandschirm verborgenen Schreibgehilfen unliebsame Arbeitsaufträge ereilen. Und davon scheint es von Tag zu Tag mehr zu geben. In dem harmlos klingenden Satz steckt ein höchst radikales Lebensprinzip: das der konsequenten Pflichtverweigerung. Am Ende geht der Schreibgehilfe auf Distanz zur ganzen Welt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2004

Hier stimmt einfach alles, schreibt Tobias Lehmkuhl begeistert von diesem Hörbuch. Bei Christian Brückner meint er den Erzähler vor sich zu sehen, einen schon älteren Mann und Notar, der als zusätzlichen Kopisten jenes unergründliche Wesen namens Bartleby in seine Kanzlei aufnimmt. Auch wenn Bartleby ein Mann ist, der sich allem entzieht, berichtet der Notar verwundert, liebevoll, mit Interesse von ihm, sagt Lehmkuhl. Eben diese Anteilnahme vermittle Brückner, der ganz in seiner Rolle aufzugehen scheine. Auch deshalb kann Lehmkuhl keine falschen Betonungen ausmachen; das gelegentliche Stocken gehöre völlig zur Rolle. Da überlegt jemand beim Reden, was er als nächster sagen wird, schreibt der Rezensent. Brückners Version liegt die beinahe 50 Jahre alte Übersetzung von Elisabeth Schnack zugrunde, die Lehmkuhl zufolge zwar Ungenauigkeiten aufweist, aber grundsolide und einheitlich im Ton ist. Der berühmte Bartlebysche Spruch "I would prefer not to" heißt hier "Ich möchte lieber nicht" - das klingt wenigstens nicht affektiert, findet Lehmkuhl.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003

Melvilles Erzählung lese sich wie die Ankündigung seines Abschiedes aus dem literarischen Leben, meint Rezensent Ulrich Greiner. Entstanden nach den damaligen Misserfolgen von "Pierre" und "Moby Dick" hat Melville hier einen Protagonisten geschaffen, wie Greiner ausführt, der sich jeglichen Arbeitsaufträgen und schließlich dem Leben verweigert, ohne dafür einen Grund anzugeben. Greiner zeigt sich begeistert von dem nun erschienen Hörbuch: "Dass die Geschichte auf unerklärliche Weise traurig ist, hat man schon gewusst; dass ihre Traurigkeit durch die objektive Komik erst wirksam wird, erfährt man, hört man bei dem wundersamen Christian Brückner und seiner suggestiven, sorgfältig modulierenden Stimme."
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