Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst des Abstiegs. Immer mehr Untergangsszenarien sind im Umlauf oder werden sogar bewusst geschürt. Wenn es um die Zukunft geht, gilt es als ausgemacht, dass es unseren Kindern einmal schlechter gehen wird als uns. Doch diese Aussage ist ebenso grundlos wie gefährlich. Herfried und Marina Münkler zeigen, warum solche diffusen Ängste den Zusammenhalt einer Gesellschaft gefährden und allen Populisten, aus welcher Richtung sie auch kommen, Angriffspunkte bieten. Mehr noch: Das Abstiegsgerede hindert die Politik daran, über die wirklichen Schwachstellen der Gesellschaft zu sprechen und sie anzugehen. Bildung, Demokratie, europäische Integration: Das sind die Felder, auf denen jahrzehntelang nichts geschah und auf denen jetzt die Probleme heranwachsen, die auf mittlere Sicht unseren Wohlstand und, schlimmer, die Architektur unserer Gesellschaft gefährden können. Dieses Buch bekämpft falsche, gefährliche Ängste und zeigt, was Deutschland jetzt braucht und wie wir die Zukunft zurückgewinnen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.11.2019
Arno Widmann begrüßt den Aufruf von Marina und Herfried Münkler zu weniger Alarmismus und mehr Innehalten und Nachdenken. Was das Autorenpaar in seinem Buch versucht, ist für Widmann nicht weniger als der Abschied vom Mythos der immer neuen Erzählungen und Entwürfe. Thematische Beschränkung treibt die beiden um, so Widmann. Die Konzentration auf Bildungspolitk, Demokratie und Europa aber scheint dem Rezensenten fragwürdig. Was ist mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland? Wenn die Münklers für eine Abspeckung der Lehrpläne eintreten und mehr Gemeinwohlorientierung fordern, erkennt Widmann sehr wohl die "polemische Stoßrichtung", zweifelt aber dennoch daran, ob es angeht, dabei die wirtschaftliche Spaltung der Gesellschaft außer Acht zu lassen, wie es die Autoren machen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 21.11.2019
Ein wenig muss Rezensent Peter Neumann den Münklers widersprechen, auch wenn er ihr Anliegen gut findet, nämlich den Narrativen des Absteigens und Auseinanderbrechens etwas entgegenzusetzen. Nur wie? Neumann sieht dieses neue Buch als eine Art Fortsetzung ihres vorherigen Buchs, "Die neuen Deutschen". Tatsächlich erstaunt ihn aber, dass die beiden Professoren dann das "eingliedrige Schulsystem der DDR" empfehlen - offenbar um es den allzu stark segregierten Nachwendedeutschen als Mittel zu neuer Kohärenz zu verschreiben. Auch solle nicht mehr "Gerechtigkeit" als Prinzip der Ausgabe öffentlicher Mittel angestrebt werden, sondern vielmehr könne der alte "Leitbegriff des Gemeinwohls" wieder zu Ehren kommen. Das ist, so der Kritiker, auch immer ein bisschen "gut gemeint". Er bezweifelt, dass auf diese Weise eine Mitte wiederhergestellt werden kann, die sich im Moment nun mal in einem Prozess der Transformation befinde.
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