Herbert Hömig

Brüning - Kanzler in der Krise der Republik

Eine Weimarer Biografie
Cover: Brüning - Kanzler in der Krise der Republik
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2000
ISBN 9783506739490
Gebunden, 876 Seiten, 50,11 EUR

Klappentext

Die umfassende neue Darstellung des politischen Lebens Brünings bis zum Kanzlersturz: die "Weimarer Biografie" des Zentrumspolitikers aus Münster ist zugleich ein Porträt der Krisenjahre der zweiten Republik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.07.2006

Rezensent Sebastian Ullrich beantwortet seine rhetorische Frage, ob wirklich zwei Bände für eine Biografie Heinrich Brünings nötig seien, schon einen Absatz weiter mit einem klaren Nein. Weniger wäre auch hier mehr gewesen. Und die Zäsur zwischen erstem und zweitem Band wäre aus Sicht des Rezensenten plausibler mit Brünings Flucht 1934 gesetzt worden als mit dem Ende seiner Kanzlerschaft 1932. Andererseits lobt der Rezensent den Detailreichtum der Studie und auch die "umsichtigen" Kommentierungen des Autors. Wenn Herbert Hömig dann allerdings die Konzepte Brünings und Adenauers für die fünfziger Jahre nebeneinander stellt, als seien sie gleichermaßen berechtigt, ist der Rezensent damit gar nicht einverstanden und hätte sich eine klare Stellungnahme zugunsten von Adenauers Westorientierung gewünscht. Auch bei der Schlussbewertung von Brünings politischen Positionen fehlen ihm "pointierte" Urteile.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2001

Gedankenspiele über alternative Geschichtsverläufe sind dem Autor ein Gräuel. Recht so, findet Alexander Gallus und lobt an diesem Buch vor allem die Quellentreue und das Bemühen um die Rekonstruktion des Faktischen. In der nuancenreichen Bestandsaufnahme sieht er die Stärke und das "nicht geringe Verdienst" der Studie. Die "große Biografie" Brünings ist das Buch für den Rezensenten trotzdem nicht, schließlich beschränkt sich der Autor darauf, den Kanzler in den Krisenjahren der Weimarer Republik bis zu seinem Sturz zu porträtieren. Die Zeit danach bis zu seinem Tod 1970, Brünings Leben in der Emigration, seine Tätigkeit als Politikwissenschaftler, seine Gegnerschaft zu Adenauer und auch der Privatmann Büning bleiben ausgespart. Der gebotene Ausschnitt immerhin gefällt Gallus als "anschauliches Porträt nicht nur des Politikers, sondern auch einer Periode".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.02.2001

Ein Verriss. Der Historiker Heinrich August Winkler, der das Buch bespricht, bescheinigt Herbert Hömig zwar, viel bisher unveröffentlichtes Material zusammengetragen zu haben, dennoch bleibe der 1932 entlassene Reichskanzler "blass" sowohl als Mensch wie auch als Politiker. Das liegt vor allem daran, so Winkler, dass sich Hömig weder zu einer Analyse des Materials noch zu einer prägnanten Interpretation entschließen könne - ganz zu schweigen von einer psychologischen Ausleuchtung der Person: "Er hört überhaupt meist dort auf, wo die wirklichen Probleme beginnen", kritisiert Winkler. So fördere auch der Hauptteil des Buches, der sich mit Brünings Zeit als Reichskanzler beschäftigt, trotz der "großen Gründlichkeit und umfassenden Kenntnis von Quellen" keine "wirklich neuen Ergebnisse zutage".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2001

"Erschöpfend und detailreich", aber manchmal wäre "weniger mehr gewesen". So lautet das abschließende Urteil des Rezensenten Eberhard Kolb über die vorliegende Biografie des Reichskanzlers Brüning. Allgemein bemängelt der Rezensent die Anhäufung von Materialien, zumal er bisweilen den analytischen Zugriff jenseits des Referierens vermisst. Wenn es um die Frage der "Leistungen und Grenzen" Brünings geht, so der Rezensent, weicht der Autor aus: "Er scheut prononcierte Urteile" und überlässt es dem Leser selbst, "aus der dichten Sachdarlegung" seine Schlüsse zu ziehen. Das ist nach Meinung Kolbs trotz aller sorgfältigen Arbeit zu wenig. Genauso ist ihm unverständlich, warum die ausführliche Darstellung des Entwicklungswegs zum Reichskanzler und der beiden Kanzlerjahre mit der Entlassung Brünings 1932 "abrupt" abbricht. Respektvoll zieht der Rezensent am Ende den Hut vor der Arbeit, bezweifelt aber ebenso die "definitive" Biografie Brünings gelesen zu haben.
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