Helwig Brunner zeichnet ein Bild von unserer Welt, wie sie im 25. Jahrhundert aussehen könnte. Was bleibt vom Leben, wie wir es heute kennen? Was von unseren Werten? Und wie wird der Rückblick aus der Zukunft auf unser heutiges "Hoffnungszeitalter" aussehen? Flirren erweist sich als Bündel von Fragen, die aus einer fernen Zukunft auf uns selbst, unser Hier und Jetzt, zurückfallen. Wir schreiben das 25. Jahrhundert. Klimakrise, Artensterben und nukleare Katastrophen haben die Erde zu einem unwirtlichen, schwer bewohnbaren Planeten gemacht. Hitze und Dürre flirren auf und über der Welt, Gletscher schmelzen, das Wasser dunstet den Menschen davon. In einem Humanareal lebt der Vergangenheitsforscher Leonard und arbeitet im Auftrag einer mächtigen Behörde daran, einstige Hoffnungsquellen und verheerende Versäumnisse der Menschheitsgeschichte zu beschreiben. Er blickt auf das dunkle Herz des 20. und 21. Jahrhunderts und erinnert sich zugleich voller Trauer an seine große Liebe Lea.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.06.2024
Rezensentin Judith von Sternburg lässt sich von Hedwig Brunners Science Fiction Roman "fundiert Angst machen". Die Beklemmung ist hier keine Angststörung und die Alternativlosigkeit keine Theorie, sondern bittere Realität - die Realität des Postanthropozäns, klärt die Kritikerin auf. Die Welt in "Flirren" ist schon lange kein Ort mehr für die Menschen, alle Hoffnungen auf Flucht von der Erde scheinen illusorisch, jeder Versuch, die Lebenssituation der noch existierenden Menschen zu verbessern, ihnen eine Zukunft zu schaffen, vergebens. Und doch geben sie nicht auf, lesen wir. So auch der Erzähler, dessen wenngleich sinnlos erscheinende und doch auf eine Weise erfüllende Aufgabe eben das ist: Zu erzählen. Brunner, ein Grazer Lyriker und Geschäftsführer eines ökologischen Planungsbüros beschreibt diese Welt nach allen Regeln der Kunst: poetisch, eindringlich, realistisch, ohne die Genregrenzen zu sprengen, so Sternburg, die neben viel Furcht auch mit einem Funken Hoffnung nach der Lektüre zurückbleibt.
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