Carla Kaspari
Das Ende ist beruhigend
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN 9783462006018
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR
ISBN 9783462006018
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR
Klappentext
Es ist der Sommer 2130, irgendwo im Norden Italiens. Die Malerin Esther und die Ingenieurin Théa leben zwei der besten Leben, die in jenen Jahren noch möglich sind. "Spes I" ist ein besonderer Ort für besondere Menschen; dass hinter den Dörfern ein fragwürdiges Konzept steckt, ist nur der Betreiberorganisation bekannt - noch. Mit Gelassenheit und stillem Glück gehen die Bewohner:innen von Spes I ihren Leidenschaften nach, treffen an lauen Abenden andere Residents und genießen leichte Getränke. Die Atmosphäre im Dorf wird von einer Kuppel und einem Belüftungssystem einerseits, von Coachings und Achtsamkeit andererseits reguliert. Esther ist froh, hier, abgeschottet vom Schrecken der Außenwelt, leben und arbeiten zu dürfen. Ihre Gemälde, die stets zwei Sonnen zeigen, zählen zu den begehrtesten Kunstwerken der Gegenwart. Nach der Ankunft von Cleo und Thomas, einem Kreativenpaar aus Berlin, kommt es zu Zwischenfällen und die Atmosphäre verändert sich. Bald erwacht Esther auf der Rückbank eines Wagens, der die Grenzen des Dorfes längst hinter sich gelassen hat. Sie ist in der Außenwelt, auf einer Mission mit ungewissem Ausgang. Oder gibt es doch eine Gewissheit?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.06.2025
Rezensent David Hugendick wird nicht glücklich mit diesem Roman von Carla Kaspari, und das liegt nicht daran, dass die deutsche Schriftstellerin hier eine Dystopie vorlegt. Durchaus komisch findet der Kritiker manche Idee der Geschichte um eine Künstlerkolonie nach dem Klimakollaps, in der unter Pinien Aperol geschlürft wird, während die Welt rundherum brennt: Ein Konzern saugt den Bewohnern die Hoffnung aus und verkauft sie per E-Zigarette an die traurigen Menschen jenseits der Kolonie, resümiert der Rezensent. Dass es Kaspari bei "routinierter" Kapitalismus-Verteufelung belässt und den Lesern weder sprachlich noch inhaltlich etwas zumutet, lässt Hugendick nicht unbedingt eine Leseempfehlung aussprechen - und so legt er diese "Soft-Dystopie", die einen "niedrigen literarischen Eintrittspreis" verlangt müde zur Seite.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.05.2025
Die Heldinnen der drei Zukunftsromane von Carla Kaspari, Amira Ben Saoud und Luise Meier, die Rezensent Thore Rausch bespricht, haben eine ganz spezielle Fähigkeit gemeinsam, nämlich mit Hilfe des "sanften Rausches" einer dystopischen Welt entfliehen zu können. Kasparis Roman spielt im Jahr 2130, lesen wir, die Klimaerwärmung ist in fataler Weise fortgeschritten, das Leben auf der Erde ist kaum mehr erträglich. Glück haben da noch diejenigen, denen das Privileg erteilt wurde, im künstlich abgeschotteten "Künstlerdorf" "Spes I" zu leben, in dem eine von einer Glaskuppel geschützte Bubble von Kreativen ihre Existenz idyllisch weiterleben kann. Die Macht der Kunst als Träger von Hoffnung spielt bei Kaspari eine große Rolle und wird von Protagonistin Esther verkörpert, die irgendwann die Flucht aus der Kuppel wagt. Gleichzeitig persifliert der Roman aber auch die Dekadenz einer abgehobenen Kunstszene, die im Angesicht der Apokalypse "in aller Seelenruhe Aperol trinkt", betont der Kritiker. Rausch attestiert der Autorin sowohl eine "feine, hypnotische Sprache" als auch mit "Herz" geschriebene Charaktere, die zur Identifikation einladen.
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