Helene Lee

Der erste Rasta

Cover: Der erste Rasta
Hannibal Verlag, Höfen 2000
ISBN 9783854451785
Broschiert, 327 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Angelika Inhoffen. Wer kennt nicht den Musik-Kultfilm The Harder They Come, wer hat noch nicht getanzt zu der Musik von Bob Marley, Peter Tosh, Jimmy Cliff, Alpha Blondy & Co. Was aber verbirgt sich hinter den lockeren Reggaerhythmen, die bis heute die populäre Musik nachhaltig prägen? Die Journalistin Helene Lee folgt den Spuren eines charismatischen Visionärs zurück zu den Wurzeln des Rasta Anfang des 20. Jahrhunderts. Leonard Percival Howell alias Gong scharte die ersten Rastas um sich. Auf Howells Vision fußt der Glaube an Ras Tafari, der 1930 als Haile Selassie I. zum König von Äthiopien gekrönt wurde. Das Leben der ersten Rasta-Gemeinde (mit mehr als viertausend Mitgliedern) schildert Lee ebenso anschaulich wie auch die weiteren Wege des Rasta: ins Harlem der Zwanzigerjahre und ins Ghetto von Trench Town, der Ska- und Reggae-Schmiede von Kingston, Jamaika, in den Fünfzigern. Hier taucht zum ersten Mal ein Sänger namens Bob Marley auf - und die Erfolgsgeschichte der jamaikanischen Musik beginnt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.01.2001

Tobias Rapp bespricht in einer Doppelrezension zwei Bücher über den Begründer der Rastareligion Leonhard Howell und den Rastasänger Bob Marley.
1.) Hélène Lee: "Der erste Rasta"
Der Rezensent lobt die französische Journalistin für ihre vorsichtige Zurückhaltung, mit der sie das Wenige, das über Leonhard Howell bekannt ist, durch eigene Spekulationen erweitert. Denn dass ihre Recherchen in der "Schwebe" bleiben und bestenfalls "Fragmente" eines Lebens sein können, sieht der Rezensent in der mageren Quellenlage und in der Verklärung Howells durch dessen Anhänger begründet. Besonders lobt er die Autorin für die "Genauigkeit", mit der sie ihre "Träumereien" von den verbürgten Fakten trennt.
2.) Timothy White: "Bob Marley - Catch A Fire"
Bewundernd hebt Rapp den Kenntnisreichtum und die detaillierten Ausführungen zu Leben und Werk Marleys hervor, um darin allerdings auch die "Schwäche des Buches" zu verankern. So unternehme es der Autor zwar, die "Diskografie" seiner Platten genauestens darzustellen und seine musikalische Entwicklung nachzuzeichnen, sowie Marleys unfreiwillige Verwicklung in die Politik zu beschreiben. Doch ausgerechnet seine Hinwendung zum Rastafarianismus sei dem Autor zur "Anekdote" geronnen, kritisiert der Rezensent, der in der religiösen Entwicklung den Hauptgrund für die Tatsache sieht, dass Marley zum "potentiellen globalen Superstar" wurde.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.11.2000

Als "Pioniertat" rühmt Nils Michaelis das Buch der französischen Journalistin Lee, die in den 70er Jahren aus eigenem Antrieb und Interesse für die Rasta-Bewegung zum ersten Mal nach Jamaika kam und seither zu diesem Thema Material gesammelt hat. Auch wenn ihr Reportagestil nicht ganz frei sei von romantisierenden Einschüben und ihre Analyse des Rastafarismus als religiöser Bewegung zu oberflächlich ausfalle, so habe sie mit ihrem Buch, das den Begründer der Rasta-Bewegung Leonard Percival Howell vorstellt, absolutes Neuland betreten. In den 30er Jahren interpretierte Howell, so Michaelis, das nüchterne politische Kalkül eines Zeitgenossen, dass in Äthiopien demnächst ein schwarzer Kaiser gekrönt werde, als religiöse Prophetie, die den Engländern bald politisch zu gefährlich werden schien. Zweimal wurde er inhaftiert, danach scharrte er in einer Landkommune seiner Anhänger um sich, aus der dann später die in den 70er Jahren berühmt gewordene Bewegung hervorging. Warum Jugendliche der Industrieländer sich für diese Bewegung begeisterten, analysiert Lee nach Michaelis einleuchtend; nur was die konkrete Ausformung des religiösen Systems angeht, hätte er lieber eine nüchterne Religionsanalyse à la Max Weber am Werk gesehen.
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