Helene Bukowski

Milchzähne

Roman
Cover: Milchzähne
Blumenbar Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783351050689
Kartoniert, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Eines Tages steht das Kind plötzlich da, die Haare feuerrot leuchtend inmitten des Kiefernwaldes, und gehört niemandem. Skalde nimmt es mit zu sich, obwohl sie weiß, dass die anderen, die in der abgelegenen Gegend leben, das nicht dulden werden. Skalde und ihre Mutter Edith gehörten selbst nie richtig zur Gemeinschaft, seit Edith vor mehr als zwei Jahrzehnten plötzlich triefend am Ufer des Flusses stand, von dem die Anderen sich erhofft hatten, er würde sie vor der im Chaos versinkenden Welt beschützen. Mutter und Tochter lieben einander auch, weil ihnen nichts übrig bleibt: Gegen die Bedrohung müssen sie zusammenhalten. Vor allem jetzt, da immer klarer wird, dass das Leben des Kindes - und ihr eigenes - in Gefahr ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2019

Sehr beeindruckt zeigt sich Jutta Person von Helene Bukowskis Debütroman "Milchzähne". Angesiedelt in einer nicht näher spezifizierten dünn besiedelten Landschaft, unweit vom Meer und unter großer Hitze leidend, geht es um eine weitgehend abgeschottete Dorfgemeinschaft und darin um eine wiederum von den anderen weitgehend isolierte Mutter-Tochter-Gemeinschaft, fasst die Rezensentin zusammen. Eigentlich eine Art Robinsonade also, meint Person, wobei die Abgeschnittenheit von der Außenwelt absichtsvoll und dem Misstrauen gegen alles Fremde geschuldet ist. Bewegung kommt in dieses karge Anti-Idyll, als ein rothaariges Mädchen auftaucht und von der Tochter ins Haus aufgenommen wird, worauf die Dorfgemeinschaft mit Hass und Ablehnung reagiert, referiert die Rezensentin, der angesichts der sich entfaltenden "brutalen Mechanismen der Klaustro-Gemeinschaft" Referenzen wie Marlen Haushofers "Die Wand" oder amerikanische Apokalyptiker von Cormac McCarthys "Die Straße" bis zu Denis Johnsons "Fiskadoro" in den Sinn kommen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.04.2019

Skalde und ihre Mutter Edith leben gemeinsam in einem verrotteten Haus, dessen Grundstück die Tochter um keinen Preis verlassen darf, erklärt Rezensentin Antonia Baum. Zuerst ist es dunkel und kalt, vom Himmel fallen Vögel mit verbrannten Federn, später wird es so heiß, dass das Fell der Tiere weiß wird. Es ist eine bedrückende albtraumhafte Welt, in der sich die Protagonisten aus Helene Bukowskis Debütroman bewegen, lesen wir. Spannung wird vor allem durch die vielen ungeklärten Fragen erzeugt, die das Umfeld und das Verhältnis der beiden Frauen zueinander betreffen. Die "poetische Präzision", mit der Bukowski die Konflikte zwischen Mutter und Tochter beschreibt, hält die Rezensentin für die größte Stärke dieses Romans. Das dystopische Szenario im Hintergrund ist Baum zufolge eher nebensächlich, dient der Autorin jedoch zum Ausdruck eines Bedürfnisses nach Konkretisierung einer unbekannten Gefahr.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.04.2019

Ein bemerkenswertes Debüt annonciert Rezensentin Carola Ebeling mit diesem Roman der 25jährigen Autorin Helene Bukowski. Erzählt wird die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die von den anderen Bewohnern isoliert in einem dystopischen Dorf leben und auf jeweils eigene Weise mit der Außenseiterstellung umzugehen versuchen. Viel mehr passiert nicht, erklärt die Kritikerin, die aber bewundert, wie Bukowski Fragen nach Zugehörigkeit und Isolation bewegend und sogkräftig umkreist und dabei eine Atmosphäre von Vertrautheit und "verstörender Irritation" schafft. Nicht zuletzt attestiert sie dem Roman, der vom Umgang mit dem Fremden erzählt, eine "unangestrengte gesellschaftspolitische Aktualität".