Das neue Kanzleramt wird im April 2001 bezogen. Heinrich Wefing blickt kritisch auf die Entstehungsgeschichte und erklärt die Architektur, ihren Hintergrund und setzt sie ins Verhältnis: die Inhalte und die Kulisse der Macht.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 15.11.2001
Den Bau- und Historikerstreit in der Berliner Republik weiß der Autor Heinrich Wefing mal fachmännisch deskriptiv, mal "süffig reportierend" entlang der Entstehungsgeschichte des Kanzleramts zu entfalten, lobt Hanno Rauterberg. Dass dabei eigentlich nicht Neues rüberkommt, findet der Rezensent gar nicht so schlimm, ihm imponieren die Gelassenheit, mit der Wefing dem "furiosen Amtsgebäude" entgegentritt, und der "sanfte Ton", in dem die teils schrillen Stimmen der Debatte von ihm geordnet werden. "Abstand und Sachlichkeit" nennt man das. Allerdings scheint es nicht so weit her damit, wenn der Autor für das im Wettbewerb letztlich unterlegene Architekturbüro KSV mit seinem jungklassizistischen Vorschlag Partei ergreift und den Schulte-Bau eine Kathedrale der Kanzlerdemokratie schimpft. Die Idee von der Kanzlerwaschmaschine als Staatskirche hält Rauterberg denn auch für "absurd". Nicht weniger fragwürdig erscheint dem Rezensenten das "verdruckste Resümee" am Ende des Buches. Da behauptet der Autor, auf die gebauten Formen der Macht komme es gar nicht an. Zu dumm nur, dass er zuvor über 250 Seiten das Gegenteil suggeriert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.10.2001
Dieser Essay über das Berliner Kanzleramt ist für Peter Reichel ein Grund, sich gehörig über das Bauwerk aufzuregen: Ein "monumentales Missverständnis", eine "unzugängliche Beamtenburg". Der Autor des besprochenen Buches indes urteilt nur wenig milder über den neuen Sitz des Kanzlers: "Ein wunderbares Haus für den falschen Zweck" oder eine "urbanistische Demütigung" sei das Kanzleramt. So mutmaße der Autor, dass die "Waschmaschine" vorrangig als Kulisse für die "Fernsehdemokratie" konzipiert wurde. Worum geht es inhaltlich? Wefing untersucht die Vorgeschichte des Spreebogens als Ort des Politischen; er bilanziert die politische Entscheidung, den Entwurf und den späteren Bau des Kanzleramtes, fasst Reichel zusammen. Außerdem stelle er den verantwortlichen Architekten Axel Schultes vor. Der Rezensent bedauert nur, dass sich Wefing nicht zur Ausrichtung des Gebäudes äußert: Dies stehe nämlich "falsch" und "beziehungslos" zum Reichstag. Ansonsten hat Reichel das Buch "mit großem Vergnügen" gelesen.
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