Heinrich Detering

Die Stimmen aus der Unterwelt

Bob Dylans Mysterienspiele
Cover: Die Stimmen aus der Unterwelt
C.H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406688768
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Mit "Love and Theft", Liebe und Klauen, dem Album von 2001, begann Bob Dylans Spätwerk. Die darauf und den dann folgenden Alben versammelten Songs deuten die Gegenwart nicht nur als apokalyptischen Totentanz, sondern brachten Dylan auch den Vorwurf des Plagiats ein: Waren die Texte nicht allesamt zusammengeklaut, montiert aus Versatzstücken, die er der amerikanischen Musiktradition und der Weltliteratur von Home und Ovid über Shakespeare bis F. Scott Fitzgerald entnommen hatte, ohne auch nur ein einziges davon nachzuweisen? Was als Inspirationsmangel eines alternden Künstlers erscheinen könnte, bildet, wie der Literaturwissenschaftler und Dylan-Experte Heinrich Detering zeigt, das Kernstück einer zeitgenössischen, ungeheuer produktiven Poetik. Bei Dylan hat Ovid den Blues. Und der Blues hallt durch die Gewölbe der Antike, vernehmbar bis in die Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.09.2016

Dieses Buch birgt einige Überraschungen, verspricht Rezensent Stephan Wackwitz, der erstaunt liest, was Heinrich Detering an literarischen Quellen in den Songs Bob Dylans entdeckt. Zwar ist der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller längst nicht der Erste, der sich mit dem aus Lektüreeindrücken, Kindheitserinnerungen, Geistergeschichten oder politisch-historischen Hintergründen bestehenden poetischen Kosmos von Dylans Songs beschäftigt, informiert der Kritiker. Detering konzentriert sich jedoch ganz auf die Einflüsse aus der europäisch-literarischen Tradition in Dylans Werk, fährt der Rezensent fort, der hier etwa nachliest, wie beinahe wörtlich übernommene Passagen aus Peter Greens und Robert Fagles' Neuübersetzungen Ovids, Aischylos', Sophokles' und Homers bei Dylan auftauchen oder wie glänzend Detering Spuren des Petrarkismus' nachweist, die von Dylan in einem Ready-made-Verfahren verwendet werden. Hier gewinnt Literaturwissenschaft wieder "zeitgenössische Relevanz", schwärmt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.04.2016

Für Jens-Christian Rabe ist es so etwas wie "kulturelles Grauen", wenn sich ein renommierter Germanist wie Heinrich Detering plötzlich mit Bob Dylan befasst, und leider trügt ihn der erste Eindruck nur wenig, muss der Kritiker feststellen. Denn Deterings Buch, dass sich in fünf Kapiteln kleinstteilig vier Songs und einem Film widmet, liest sich mitunter wie "Fleißarbeit", die man sich allerdings mit Blick auf Online-Foren, die bereits jede literarische Anspielung in Dylans Werk hinlänglich offengelegt haben, hätte sparen können, ätzt der Kritiker. Dass der Autor etwa im "Tempest"-Album zahlreiche Shakespeare-Bezüge nachweist, nimmt der Rezensent achselzuckend zur Kenntnis. Dass Detering sich nie die Mühe macht, die betreffenden Passagen in seinen ewig langen unübersetzten Zitaten noch einmal für die Analyse hervorzuheben, ärgert den Kritiker dann doch.

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