Durch die fortschreitende Säkularisierung der religiösen Verhältnisse in den europäischen Ländern seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden wechselseitige Ressentiments und Vorurteile zwischen einzelnen Glaubensrichtungen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, verstärkt; außerdem sind neue, teilweise sehr brisante Konflikte entstanden. Die Beiträge dieses Bandes thematisieren vorhandene Spannungsfelder, zeigen Vorurteile einzelner Religionen gegenüber anderen Glaubensrichtungen auf und erörtern Aspekte der gegenwärtigen Situation. Besonderes Interesse gilt hierbei der Situation der Muslime in Europa. Außerdem werden in einzelnen Beiträgen rechtliche Regelungen diskutiert, durch die aufgrund von religiösen Motiven verursachte Konflikte vermieden werden und die zu einer friedlichen Koexistenz der verschiedenen Religionen in einem vereinten Europa führen können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.08.2004
Rezensent Arnim Adam hat eine "normative Schieflage" in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen entdeckt. Und der von Hartmut Lehmann herausgegebene Sammelband über Religion und die europäischen Staaten legt nach Adams Meinung Zeugnis davon ab. Schwerpunkt der "detaillierten Studien" ist nach Adam der Islam, der für das säkularisierte Europa durch seinen Anspruch auf Einheit von Religion und Staat zum Problem wird. Dabei hat der Rezensent in einigen Beiträgen Unstimmigkeiten entdeckt, so zum Beispiel, dass man im Falle von so genannten Sekten schneller staatliche Kontrolle fordere als beim Islam. Hier werde eher auf das "Toleranzgebot" verwiesen. Für Adam sind dies Zeichen besagter Schieflage, als deren Ursache er das "Schwinden des christlichen Bewusstseins" ausgemacht hat.
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