Hartmut Böhme

Fetischismus und Kultur

Eine andere Theorie der Moderne
Cover: Fetischismus und Kultur
Rowohlt Verlag, Reinbek 2006
ISBN 9783499556777
Kartoniert, 570 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Rekonstruiert werden die mentalen, wissenschaftshistorischen und künstlerischen Prozesse, durch welche der Fetischismus zur zentralen Kategorie der Selbstbeschreibung europäischer Kultur wurde. So demonstriert Marx, dass ohne den Waren- Fetischismus keine politische Ökonomie zu machen ist. In der Psychoanalyse wird der Fetischismus zu einem zentralen Konzept zur Bestimmung des modernen Subjekts. Es folgen die politischen Kult- und Fetischformen des Stalinismus und Faschismus, schließlich die popularen Kultformen der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2007

Das hätte was werden können, seufzt Caspar Hirschi. Die erhoffte "Schubumkehr" des Fetischismusdiskurses durch eine Theorie der Moderne, in der dem Fetischismus eine tragende Rolle zukommt, bleibt ihm der Kulturtheoretiker Hartmut Böhme leider schuldig. So sympathisch Hirschi der Ansatz zu einem selbstbewussteren Umgang mit fetischistischen Bedürfnissen auch ist, so vergebens wartet er auf Konkretisierungen jenseits ausgetretener Wege, sucht er nach analytischer Tiefenschärfe des Begriffs. Das Aufblitzen "faszinierender" Theoriepartikel im Text reicht dem Rezensenten nicht. In der Rückschau erscheint ihm das Projekt sogar als gescheitert, weil es dem Autor nicht gelingt, den Fetischismus-Begriff von seinen alten Fesseln zu befreien.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2006

Als großen Wurf und maßstabsetzendes "wissenschaftliches Ereignis" feiert Rezensent Ralf Konersmann dieses Buch des Berliner Kulturwissenschaflers Hatmut Böhme. Es handelt sich Konersmann zufolge um eine "andere" Theorie der Moderne, zu deren herausragenden Qualitäten er nicht nur "solide Kennerschaft" des Autors, "gekonntes Arrangenment" dieses Wissens, "stilistische Eleganz" und die enorme Belesenheit des Autors das ihre beigetragen haben, sondern auch die Souveränität, mit der Böhme die "vertrauten Selbstdarstellungen" der Moderne in den letzten zweihundertfünfzig Jahren gegen den Strich gebürstet hat. Dabei arbeite Böhme ein Bild der Moderne heraus, die sich nach dem Versuch der Aufklärung "die Dingwelt zu entwerten", auf dem Weg der "Verdinglichung" wiederum der Fetischisierung der Dingwelt verschrieben hätte. Dadurch habe sich die von der Aufklärung entzauberte Welt sozusagen selbst zurückverzaubert, bringt der Rezensent die Kernidee des Buchs auf den Punkt, das er klug und klärend wie schon lange keines mehr findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2006

Begeistert sieht Rezensent Thomas Steinfeld mit mit diesem "singulären Werk" eine neue Wissenschaft begründet, deren Programmschrift diese "große Monografie" aus seiner Sicht geworden ist. Fasziniert und tief beeindruckt vom "stupenden Wissen" und der souveränen Gedanken- und Argumentationsführung des Autors, ist er dieser Theorie der Moderne gefolgt. Als Grundgedanken des Werks beschreibt der Rezensent den Versuch des Autors, einen Zivilisationsprozess zu beschreiben, der als Konsequenz aus der Entzauberung der Welt durch die Aufklärung sich in die Dingwelt flüchtet - in Waren, Design, die das Werk unter dem Begriff "Fetisch" subsumiere. Hartmut Böhmes enzyklopädisch, systematisch und chronologisch angelegte "erste Durchführung" der von ihm neu gegründeten "Wissenschaft vom Fetisch" überzeugt den Rezensenten von der ersten bis zur letzten Seite. Auch weil ihm Böhme darin luzide die "metaphysischen Spitzfindigkeiten" der Warenwelt offen legt. Dass bei aller intellektuellen Brillanz und trotz seines schillernden Gegenstandes das Buch eine diskreten, bescheidenen Charakter bewahrt, wertet der Rezensent ebenfalls als Gütesiegel.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2006

Begeistert sieht Rezensent Thomas Steinfeld mit diesem "singulären Werk" eine neue Wissenschaft begründet, deren Programmschrift diese "große Monografie" aus seiner Sicht geworden ist. Fasziniert und tief beeindruckt vom "stupenden Wissen" und der souveränen Gedanken- und Argumentationsführung des Autors, ist er dieser Theorie der Moderne gefolgt. Als Grundgedanken des Werks beschreibt der Rezensent den Versuch des Autors, einen Zivilisationsprozess zu beschreiben, der als Konsequenz aus der Entzauberung der Welt durch die Aufklärung sich in die Dingwelt flüchtet - in Waren, Design, die das Werk unter dem Begriff "Fetisch" subsumiere. Hartmut Böhmes enzyklopädisch, systematisch und chronologisch angelegte "erste Durchführung" der von ihm neu gegründeten "Wissenschaft vom Fetisch" überzeugt den Rezensenten von der ersten bis zur letzten Seite. Auch weil ihm Böhme darin luzide die "metaphysischen Spitzfindigkeiten" der Warenwelt offen legt. Dass bei aller intellektuellen Brillanz und trotz seines schillernden Gegenstandes das Buch einen diskreten, bescheidenen Charakter bewahrt, wertet der Rezensent ebenfalls als Gütesiegel.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.08.2006

Begeisterung hat Hartmut Böhmes Studie über die Zusammenhänge von Fetischismus und Kultur bei Rezensent Thomas Assheuer ausgelöst. Er würdigt das Werk als eine kritische Reflexion der Moderne, der Böhme weniger Aufgeklärtheit bescheinigen will als das üblich ist. Dem Befund, der Fetischismus sei vital wie eh und je, kann sich Assheuer nur anschließen - unübersehbar nämlich sind für ihn die modernen Kultformen wie Food- und Sexfetischismus, Starkult, Verehrung des Automobils, Apotheose des Sports und die Lust am Konsum. Böhme deute diese Kultformen als Ersatz für die aufgelösten alten Feste und Riten und bescheinige ihnen eine wichtige Funktion für den sozialen Zusammenhalt und die Affektbindung. Die Kapitel über Karl Marx' Ansichten zum Warenfetischismus sind für Assheuer ein besonderer Genuss. Dass Böhme Marx vorwirft, er habe mit seiner Kritik der Ware einen neuen Begriffsfetischismus entfacht, findet Asshauer durchaus delikat, schließlich scheint ihm Böhmes Arbeit bei aller Brillanz selbst nicht ganz frei von Fetischen zu sein. So bleibt es seines Erachtens nicht aus, dass der Autor seine eigene Theorie fetischisiert. Doch das stört ihn angesichts der zahlreichen Einsichten und der glänzenden Formulierungen, mit denen Böhme aufwartet, nicht weiter.