In englischer Sprache. Die aufragenden, auf den ersten Blick leblosen Mauern aufgeschnittener Mietshäuser dominierten nach den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg das Bild deutscher Städte. Brandwände, ursprünglich in die Konstruktion des Hauses integriert und von der Straße aus nicht sichtbar, traten nun schroff hervor. Seither hat der Begriff eine Bedeutung hinzugewonnen: Er bezeichnet auch eine Wand, die der Brand einst verschonte. Zumeist grenzen Brandwände an weitläufige Brachen. Die "wild" gebrochenen Fensteröffnungen in zufälliger Anordnung sind manchmal auch schon wieder zugemauert. Als Symbole des Zusammenbruchs, des Neubeginns wie des Scheiterns tragen die Mauern die Spuren deutschen Schicksals: Einschusslöcher, Bombensplitter, Ruß, Umrisse vergangener Gebäude, Notreparaturen. Sie sind dicht bewachsen, kahl oder verputzt und mitunter von Graffiti und Werbung überzogen. Harf Zimmermann hat über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg gezielt nach solchen Mauern gesucht. Dieses Buch versammelt Beispiele aus dem Osten Deutschlands.
In Harf Zimmermanns Bildband der Brandwände sieht Lennart Laberenz eine Spurensuche: Über 15 Jahre lang sei der Fotograf mit seiner Plattenkamera durch Berlin, Leipzig, Warschau und Dresden gelaufen, weiß der Kritiker zu berichten, und habe dabei "fotografische Archäologie" betrieben. Die unterschiedlichen Formen von Zwischennutzung und das Füllen entstandener Brachen faszinieren Laberenz ganz offensichtlich, wobei er die Sachlichkeit und Kühle der Bilder hervorhebt und lobend befindet, Zimmermann feiere die "Poesie des Vergangenen, ohne dabei in Nostalgie umzukippen". Auch Therese Teutschs beigefügter Essay über die Möglichkeiten der "nothingness" und die Lücke als Wunde und Chance weiß den Rezensenten zu überzeugen, er findet ihn sogar "beschwingt".
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