Mit einem Nachwort von Siegfried Lenz. Ein kleiner Taugenichts wächst mit sechs Geschwistern in einem Fischerdorf an der pommerschen Ostseeküste auf. Er hat ein einfaches Gemüt und keine besonderen Talente, nur die Mädchen regen von klein auf seine Instinkte. Hier und da wirft sogar die große Politik ihre Schatten auf das Dorf, und dann lernt der Junge viel von seiner weitherzigen Mutter, die manchmal "wie eine Rote" redet. In dieser armen Familie ist man reich an Eigensinn und störrisch gegenüber vermeintlichen Autoritäten. Spuren im Sand ist der Roman einer Kindheit zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2004
Aus der deutschen Literaturgeschichte ist Hans Werner Richter nicht wegzudenken - als Gründer der so einflussreichen Gruppe 47. Als Autor aber ist er heute verschollen, keines seiner Werke war lieferbar - bis der Steidl-Verlag sich zur Wiederentdeckung entschlossen hat. "Spuren im Sand" aus dem Jahr 1953 erzählt, weitgehend autobiografisch, die Geschichte einer Jugend auf Usedom. Martin Walser hat es einst seiner Kunstlosigkeit wegen gerühmt, auch der Rezensent Rainer Moritz stellt fest: "ein erfreulich unprätenziöses Werk". Von einem Meisterwerk scheint es, auch wenn Moritz das so deutlich nicht sagt, weit entfernt, manche Wiederholung stört ihn - aber reizvoll findet er das Buch auch noch nach fünfzig Jahren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2004
Der Rezensent Burkhard Müller kann mit diesem 1953 erstmals aufgelegtem Roman von Hans Werner Richter, der vor allem als "Literaturpolitiker" der Gruppe 47 im kollektiven Gedächtnis verankert ist, nicht viel anfangen - obwohl der Roman eigentlich kein "schlechtes Buch" sei. Routiniert erzählt ist es auf jeden Fall. Doch etwas Unerwartetes, was man in dieser Form noch nicht gelesen hat, steht nach Müllers Meinung eben auch nicht drin. "Es ist kein Buch, aus dem man Neues erführe. Eher kriegt man es, wie bei einer Revue, noch einmal schmissig auf den Punkt gebracht." Ein anderes Bild, das der Rezensent für das Buch findet, ist kaum schmeichelhafter: er hält ihn für eine Vorwegnahme eines "mehrteiligen Kostümschinken der öffentlich-rechtlichen Anstalten".
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