Wie Ärzte sich bestechen lassen - Korruption im Gesundheitswesen. Ein Journalist wechselt seine Identität und geht in die Pharmaindustrie. Erschreckendes Resultat seiner Recherchen: Die Medizin steht unter der Kontrolle der großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Spitzenmediziner machen sich zu Komplizen.Der Autor absolviert eine sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und gründet - auf dem Papier - eine Beratungsfirma für die Arzneimittelindustrie. Damit baut er sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren eine respektable Identität als Pharma-Consultant auf, nimmt an brancheninternen Symposien teil, erhält Zugang zu geheimen Marketingdokumenten, kauft brisante geheime Studien und wird begehrter Gesprächspartner von Klinikchefs. Warum sind Medikamente so teuer? Weil so viel in die Entwicklung und Erforschung von neuen Medikamenten investiert wird, die allen Patienten zugute kommen! So die Antwort der Pharmaindustrie. Tatsächlich wird intern ungeniert kritisiert, dass es mit der Innovationskraft der Industrie nicht weit her ist. Was unter "Forschung und Entwicklung" verbucht wird, sind meist Marketingmaßnahmen, die nur den Zweck haben, den Gewinn der Konzerne zu erhöhen. Die Pharmaindustrie beschäftigt ein ganzes Heer von Marktforschern und Informanten, die ständig untersuchen, wie häufig Medikamente verschrieben werden, welcher Umsatz damit erzielt wird, warum Ärzte bestimmte Medikamente verschreiben und andere nicht, welche Wirkung Pharmavertreter auf die Zahl der Verschreibungen haben. Ohne die aktive Mithilfe von Ärzten wäre das alles nicht möglich. Pharmakonzerne kontrollieren das Gesundheitswesen durch das so genannte "Thought Leader Management" - spezielle Firmenabteilungen, die sich nur damit beschäftigen, wie einflussreiche Ärzte für die Zwecke der Pharmaindustrie am besten eingesetzt werden. Die Antwort: Das geschieht am wirksamsten mit Hilfe von lukrativen Beraterhonoraren, teuren klinischen Studien und Einladungen zu hoch bezahlten Vorträgen vor Ärzten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2008
Robert Jütte zeigt sich erschüttert. Was der Medizinjournalist Hans Weiss in seinem Buch nach Wallraff-Art (als Pharmaberater mit Zugang zu den entsprechenden Daten) recherchiert hat, jagt dem Rezensenten einen mächtigen Schrecken ein. Zwar sind Jütte die Umtriebe der Pharmaindustrie bekannt, doch so offen wie hier, meint er, hat noch niemand über die gesetzeswidrigen Praktiken und die Schuldigen geschrieben. Schaudernd geht Jütte die Listen über Ärzte und Pharmafirmen durch, erfährt Details über ihr einträgliches Networking in Deutschland, in der Schweiz und in Österrreich und über die fragwürdigen Methoden der Marketing-Abteilungen. Besonders schwer verdaulich findet er die Information, dass ein Großteil der Zulassungsstudien für neue Medikamente von der Pharmaindustrie finanziert oder mit Hilfe von "Ghostwritern" gar selbst verfasst werden. Magenschmerzen verursacht dem Rezensenten schließlich auch der vom Autor eröffnete Einblick in die moralische Verfassung renommierter Psychiater beim Umgang mit Psychopharmaka und Placebos. Die Richtlinien der zuständigen Ethik-Kommissionen erscheinen dem Rezensenten "sehr lax".
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