Wie kam es dazu, dass sich das Christentum in der von Rom dominierten antiken Welt so gut verbreiten und sinnstiftend wirken konnte? Der Autor untersucht als Religionswissenschaftler die zeitgenössischen religiösen Sinnangebote (Kaiserkult, Magie, Zauber, Mysterien, Gnosis), die sämtlich auf religiöse Beheimatung (des unbehausten Menschen) aus sind und sich nach Ziel und Inhalt gar nicht so sehr von ihren postmodernen Neuauflagen unterscheiden. Und so zeigt der Blick in die antike Welt zugleich die Unbehaustheit unserer eigenen neoliberalen, globalisierten Lebenswelt mit ihren wuchernden Gärten psycho-sozialer und spiritueller Sehnsüchte und ihren religiösen Therapieversuchen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005
Nicht wirklich zufrieden zeigt sich Rezensent Wolfram Kinzig mit diesem Essay des Religionshistorikers Hans-Peter Hasenfratz über die Frage, wie das Christentum, eine zunächst unbedeutenden Provinzialreligion, im römischen Weltreich zum Sinnlieferanten Nummer eins aufsteigen konnte. Zur Erklärung dieses Phänomen ziehe Hasenfratz den Begriff der "Unbehaustheit" als Schlüsselkategorie heran. Er beschreibe wie das Christentum unterschiedliche "religiöse Wege aus der Unbehaustheit" gezeigt und so zur "neuen Heimat für alle Unbehausten im ehemals heidnischen Römischen Reich" gemacht habe. Damit liefere Hasenfratz eine weitere Variante der Theorie von der religiösen Krise, in die die Kultur der ausgehenden Antike geraten sei und die sich das Christentum mit letztlich geschickt geklauten Sinnstiftungsangeboten zunutze gemacht habe - ein Ansatz, der Kinzig zu monokausal ist und ihn nicht wirklich überzeugen kann. "Es ist ein in seiner Eindimensionalität seltsam antiquiertes Bild von Geschichte, das uns der Verfasser hier bietet", resümiert der Rezensent, "und dazu passt auch gut, dass er weite Teile der neueren Forschung zum Thema ausblendet."
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