Was ist und wozu dient die Religion in der Moderne? Hans Martin Dober rekonstruiert die Wahrnehmung des Religionsproblems, wie es im Werk Walter Benjamins seinen Spiegel gefunden hat. Dabei erschließt er nicht nur der Praktischen Theologie einen ihr bis jetzt nahezu unbekannten Kosmos. Zugleich werden unter einer veränderten Fragestellung auch bisher unterbelichtete Aspekte und Zusammenhänge in den literarischen Essays, programmatischen Schriften und Fragmenten dieses Autors sichtbar gemacht. Vor allem aber befruchtet die vorliegende Untersuchung die praktisch-theologische Verstehensbemühung um Religion in der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2003
Hans Martin Dobers Habilitationsschrift über "Religion im Werk Walter Benjamins" hat den "tü." zeichnenden Rezensenten insgesamt überzeugt. Ohne Benjamin theologisch zu vereinnahmen, aber auch ohne ihn einer allzu simplen, säkularen Lektüre zu unterziehen, zeichne Dober die Grundlinien des Benjamin'schen Werkes nach, um dessen "Potenzial für die Wahrnehmung von Religion in der Moderne" auszuloten, berichtet der Rezensent. In "minuziösen Benjamin-Exegesen" rekonstruiere Dober dabei nicht nur die Präsenz von Religion im Frühwerk, er untersuche auch die Transformation von Religion ins Medium der Kunst und der philosophischen Ästhetik sowie die Kategorien des Eingedenkens, der Unterbrechung und andere Denkfiguren Benjamins. Etwas fraglich erscheint dem Rezensenten nur, ob sich Benjamins so "ohne weiteres in die Scheune der praktischen Theologie einfahren" lässt, wie Dober es am Ende nahe lege. Hier sieht der Rezensent erheblichen Diskussionsbedarf.
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