Bei allen Bemühungen, Motive und Hintergründe der Ereignisse des 11. September 2001 zu beleuchten, spielte bis jetzt die Analyse eines handschriftlichen arabischen Textes, der als einziger den Tätern zuzuordnen ist, keine nennenswerte Rolle. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Dokument ist ein wichtiger Beitrag zur Bestimmung des religiösen Fundamentalismus und terroristischer Gewalt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2005
Recht plausibel erscheint Alexander Görlach die religiöse Deutung der Attentate vom 11. September, die Hans G. Kippenberg und Tilman Seidensticker in ihrem Buch "Terror im Dienste Gottes" vorlegen. Die in der Reisetasche des Attentäters Muhammad Atta gefundene "Geistliche Anleitung" mit ihren genauen Anweisungen für die Vorbereitung und die Durchführung der Attentate stehe in Gestalt und Wortwahl in islamischer Tradition. Wie Görlach berichtet, belegen die Autoren anhand von Quellennachweisen, dass es zum Wesen des frühen Islam gehörte, gewaltsam vorzugehen, wenn es der Sache Muhammads gedient hat. "Die Gewalttaten des 11. September 2001 sind als Neuinszenierungen eines alten Musters der gewaltsamen Durchsetzung des Islam konzipiert worden", zitiert Görlach das Resümee Kippenbergs. Die Autoren verdeutlichten aber auch, dass diese Auslegungen politisch radikaler Muslime nicht die einzige Deutungsweise des Islam ist. Von Interesse sei deshalb, wer in der islamischen Welt heute auf diese Deutung setze. Eine ausschließlich politische Deutung der Attentate vom 11. September jedenfalls greife zu kurz. "Die Dimension des Religiösen, die in der 'Geistlichen Anleitung' deutlich artikuliert wird", so Görlach, "ist konstitutiv für das Selbstverständnis der Attentäter gewesen."
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