Hanns-Josef Ortheil

Das Verlangen nach Liebe

Roman
Cover: Das Verlangen nach Liebe
Luchterhand Literaturverlag, München 2007
ISBN 9783630872636
Gebunden, 318 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Über achtzehn Jahre lang haben sich die Kunsthistorikerin Judith und der Konzertpianist Johannes nicht mehr gesehen, als sie sich eher zufällig in Zürich treffen. Die unerwartete Begegnung versetzt sie zurück in die Zeit ihrer großen Liebe, in der sie noch ein junges und unzertrennliches Paar waren. Von diesem Tag an sehen sie sich beinahe täglich, erzählen sich von ihrem Leben und fragen sich, was früher war und jetzt vielleicht von neuem möglich ist. Ihre Treffen werden zu immer gezielter angelegten, oft festlichen Arrangements, bei denen der Ort, die Umgebung sowie die Getränke und Speisen eine große Rolle spielen. Unmerklich geraten sie dabei immer tiefer hinein in die erneut aufbrechende Magie einer starken Anziehung. Und sehen sich immer dringlicher vor die Frage gestellt, ob ihr Verlangen nach Liebe überhaupt noch eine Chance haben kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2008

Rainer Moritz ist fest entschlossen, diesem Roman von Hanns-Josef Ortheil Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, habe ihn doch die bisherige Kritik als trivial gegeißelt. Dabei handele es sich bei "Das Verlangen nach Liebe" doch um ein kühnes "Experiment", meint der Rezensent zu durchschauen und beginnt mit der Ehrenrettung. Die Kunsthistorikerin Judith und der Pianist Johannes begegnen sich nach 18 Jahren wieder und knüpfen an eine alte leidenschaftliche Beziehung an, die sie damals wegen einer Lappalie hatten abreißen lassen. Die beiden wandern durch Zürich, genießen die Kunst und gediegenes Essen und leben eine Liebe, in der Negatives keinen Platz hat, fasst der Rezensent zusammen. Das ist die eigentliche Provokation dieses Buches, dass "Not und Elend" in diesem Liebesuniversum schlicht nicht vorkommen, meint Moritz, der glaubt, Ortheil gehe es um die literarische Umsetzung eines romantischen Liebesideals, das die Rezeption der gesamten Welt bestimmt. Nach dieser Abgrenzung des Romans von der Trivialliteratur muss der Rezensent dann aber trotzdem einräumen, dass dieses Buch dem 2003 erschienenen Roman "Die große Liebe" qualitativ nicht das Wasser reichen kann. Und das liegt unter anderem an den zum Teil sehr hölzern wirkenden Formulierungen, so Moritz bedauernd.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.11.2007

Mit dezenter Ironie und versteckter Häme bespricht Rezensentin Verena Auffermann dieses Buch, dessen Autor ihr aufgrund seiner Produktivität ein wenig unheimlich ist. Besonders, weil die Produkte dieses Schaffens wohl nicht ganz die Latte ihrer Qualitätsmaßtäbe nehmen. Aber irgendwie scheint ihr die Art von Hanns-Josef Ortheils Liebesbeschwörungen nicht gänzlich unsympathisch zu sein. Nun, stöhnt sie dennoch, "wieder eine Kunsthistorikerin" als Objekt der Begierde, "wieder ein Museum" als Austragungsort diverser Liebeshändel und Schauplatz der Vereinigung von Kunst und Leben. Und dann spielt das ganze auch wieder vor Zürichs goldiger Kulisse, protokolliert sie spitz, und stellt Überlegungen zu einer Ehrenbürgerschaft für diesen Autor an. Denn da spazieren sie, seine gepflegten Protagonisten, harmoniesüchtig in mildes Herbstlicht getaucht. Es geht auch anders, meint man Auffermann leise summen zu hören. Doch so geht es anscheinend auch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2007

Für Martin Halter ist der Autor ein Synonym für die Schmonzette der gehobenen Art. Das Anmutigste und Tiefgründigste aus Liebe und Kunst, legt Halter nahe, ist für Hanns-Josef Ortheil und sein neues Buch gerade gut genug. Unter der "Total-Harmonie" eines Kusses a la Hedwig Courts-Mahler und Happy End, meint der Rezensent, macht es Ortheil nicht. Warum auch?, findet Halter. Solang kein Kitsch draus wird und Ortheil weiter augenzwinkernd "subtextuelle Anspielungen" und "professoralen Schabernack" einstreut, geht das für ihn in Ordnung. Dann kann auch gern einmal alles zueinander passen, Schmutz und Schmerz vergessen werden und ein märchenhafter "Fluchtraum" sich öffnen. Für den "reiferen Kunstliebhaber", versteht sich.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2007

Helmut Böttigers Rezension des vorliegenden Bandes hat einen der seltsamsten Schlusssätze der jüngeren Literaturkritik: "Aber irgendwie - ach lassen wir das." Wie konnte es dazu kommen? Böttiger ist mokant im Ton und doch merklich irritiert über diesen Roman. Hanns-Josef Ortheil hat hier nach Böttigers Ansicht lauter Ingredienzen eines Groschenromans zusammen gerührt, der so glatt aus den fünfziger Jahren stammen könnte. Es geht um Liebe, beim liebenden Paar handelt es sich um hochreine Künstlerfiguren, und dann geht's auch noch ab nach Italien. Das erscheint Böttiger doch arg klischeehaft. Ortheil, so erinnert Böttiger, ist Professor für kreatives Schreiben. Hat er hier nach Rezept gekocht? Böttiger weiß keine Antwort.
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