Hakan Nesser

Die Schatten und der Regen

Roman
Cover: Die Schatten und der Regen
btb, München 2005
ISBN 9783442751464
Gebunden, 381 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt. Viktor Vinblad hat es nie einfach gehabt. Sein Vater war ein Mörder. Seine Mutter vorwiegend mit sich selbst beschäftigt. Mit neun Jahren wird er Vollwaise und lebt fortan in einer Pflegefamilie. Viktor ist hoch begabt, aber auch erschreckend wunderlich. Mit fünfzehn singt er Psalmen rückwärts und ist in der Lage, die schwierigsten mathematischen Fragen zu lösen, als er unter dramatischen Umständen aus dem zweiten Stock des Schulgebäudes fällt. Er überlebt, doch fortan ist er stumm. Dennoch schafft er es, nach der Schule eine Anstellung bei einer Bank zu bekommen. Und sogar in eine Wohngemeinschaft zieht er ein. Es ist eine seltsame Truppe verschrobener Menschen, die sich hier versammelt: Der nervöse Persson, der Statistiken liebt. Der leicht zurück gebliebene Farin, der von seinen Eltern einen großen Hof geerbt hat. Und zu guter Letzt Sara Salmodin, jüngste Tochter eines Predigers und von herzerfrischender Naivität, sowie Viktor Vinblad selbst, der geniale Außenseiter. Doch dann schlägt das Schicksal erneut zu. Sara wird ermordet - und Viktor verschwindet spurlos.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.12.2005

Neuerdings, und das vorliegende Buch beweist dies aufs Neue, wie die Rezensentin Katharina Granzin erfreut bemerkt, schreibt Hakan Nesser Romane, "die deutlich über die Genregrenzen des Psychokrimis hinausweisen". In "Die Schatten und der Regen" kehren zwei Männer dreißig Jahre nach einem unaufgeklärten Mord an den Ort der Geschehnisse zurück, um - so Granzin - mit der Vergangenheit abzuschließen. Doch sie tun es nicht zusammen. Vielmehr erzählt jeder der Betroffenen seine eigene Version der vergangenen Ereignisse. Dabei gehe es Nesser nicht um die platte Gegenüberstellung von Wahrheiten, die die Existenz einer einzigen Wahrheit zur Utopie erklärt, sondern um die - trotzdem "recht philosophische" - Tatsache, dass sich in jeder persönlichen Erzählung eine "komplett andere Welt" eröffnet. Einzig der Leser, so Granzin, kann einen Einblick ins Ganze gewinnen, da es den Figuren nicht gegeben ist, miteinander wahrhaftig zu sprechen. "Sehr schön traurig ist das alles - und dabei äußerst spannend erzählt", lautet das Fazit der Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.12.2005

Fundamentale Fragen bleiben bei Rezensent Tobias Gohlis nach Hakam Nessers Krimi "Die Schatten und der Regen". Zum Beispiel: Gibt es für die Aufklärung eines Mordes einen richtigen und einen falschen Zeitpunkt? Die Geschichte um Viktor Vinblad ist offenbar ein wenig "verschlungen", aber fesselnd: Viktor, Sohn eines Mörders, taucht nach langjähriger Abwesenheit wieder in seinem Heimatdorf auf, wo er selbst unter Mordverdacht geraten war. Der Verdacht haftet noch an ihm, als er zurückkehrt, und seine Geschwister suchen nach dem richtigen Umgang mit ihm. Gohlis Andeutungen um die Handlung bleiben rätselhaft: Erst zum Schluss der Erzählung begreife der Leser "dass das, was dem alltäglichen Menschenverstand einleuchtend scheint, noch lange nicht die Wahrheit sein muss". Abschließend bemerkt er noch, dass der Roman keinen Ermittler kenne, sondern nur die "Besinnung einiger älter gewordener Menschen auf die Zufälle und Verstrickungen ihrer Biografie".
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