H.G. Adler

Andere Wege

Gesammelte Gedichte
Cover: Andere Wege
Drava Verlag, Klagenfurt 2010
ISBN 9783854356257
Gebunden, 980 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Katrin Kohl und Franz Hocheneder unter Mitwirkung von Jeremy Adler. H. G. Adler (1910-1988) ist bisher vor allem als Historiker der Shoah und als Erzähler bekannt gewesen, obwohl er sich seit seiner Jugend in Prag als Lyriker empfunden hat. "Völlig brach liegt seine Lyrik", schreibt Adler in einem "Nachruf bei Lebzeiten" (1970) über sein eigenes lyrisches Schaffen, an dem er "mit leidenschaftlichem Feuer" schrieb. In den siebziger Jahren sind zwar kleinere Gedichtbände erschienen, doch sie sind auch nur Auszüge aus dem Kernstück seines Lyrikschaffens, einer neunbändigen Gedichtsammlung mit mehr als 1.200 Texten, entstanden in über 60 Jahren. Sie sind nun in diesem Werk versammelt. Die Verfolgung ab 1939 war für Adlers Werdegang prägend, und das Schreiben von Gedichten wurde in den Konzentrationslagern zur Überlebensstrategie. Er dichtete während der Inhaftierung in Theresienstadt, sammelte in Auschwitz Erfahrungen für die spätere Lyrik und setzte sein Schreiben auch in einer unterirdischen Fabrik in einem Außenlager von Buchenwald fort. Seine unmittelbar "nach Auschwitz" verfassten Gedichte sind besonders ergreifend. "Mein Werk und ich sind praktisch unbeachtet geblieben. Meine Schubladen sind voller ungedruckter Manuskripte", klagt Adler 1969. Nun sind seine Gedichte den Schubladen entrissen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2011

Gut 1000 Seiten Lyrik von H.G. Adler, in einer "mustergültigen" Ausgabe, schön gestaltet, mit Informationen und einem offenbar lesenswerten Nachwort von Katrin Kohl versehen. Der Rezensent Rüdiger Görner ist beglückt. Zumal die Gedichte von Adler viel weniger bekannt sind als seine Romane oder seine wissenschaftlichen Arbeiten. Adler, ein Prager Jude, der Auschwitz überlebte, schrieb sie im Exil in England. Für Görner sind sie vor allem ein Versuch, "Orientierung zu stiften". Er beschreibt sehr anschaulich, wie Sprachbilder und Rhythmus die Gedichte prägen. Sie können den Leser leicht aufs Glatteis führen, weil die Wörter - anders als bei Celan - so vertraut erscheinen, warnt Görner. Doch so leicht seien sie nicht zu verstehen, denn Adler beherrsche die Kunst der "subtilen Relativierung". Der Rezensent wünscht sich jetzt nur noch eins: eine Auswahlausgabe, damit Adlers Gedichte mehr Leser finden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2011

Die allermeisten der in diesem Band versammelten über eintausend Gedichte werden erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, informiert Rezensent Harald Hartung. Mit Interesse und offenkundiger Hochachtung erkundet er das unbekannte Terrain. Insbesondere diejenigen Texte, die der Prager Jude Adler während seiner Inhaftierung in Theresienstadt verfasste, haben Hartung beeindruckt. Eine "Vorwegnahme Celans" erblickt der Rezensent darin und fühlt sich gleichzeitig an Georg Heym erinnert. Überhaupt ist die Judenverfolgung ein roter Faden in Adlers Werk, schreibt der Rezensent und verweist u.a. auf Adlers Studie "Der verwaltete Mensch" aus dem Jahre 1974. Ferner erzählt der Kritiker einige Details aus dem Leben Hartungs: 1947 nach London emigiriert, ist der klassisch geschulte Dichter stets der deutschen Sprache treu geblieben, ohne sich dabei Einflüssen britischer Schriftsteller zu widersetzen, gelegentlich schrieb er auch auf Tschechisch, erzählt Hartung mit.
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