H. C. Artmann

Im Schatten der Burenwurst

Skizzen aus Wien
Cover: Im Schatten der Burenwurst
Residenz Verlag, Wien 2003
ISBN 9783701713608
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mit Zeichnungen von Ironimus. Er ist inzwischen legendär: Zorro, der Rächer der Würstelmänner, der einem "nadelgestreiften" Kunden, welcher die Unterstellung verlauten ließ, die dargebotene Burenwurst bestünde aus Rossfleisch, kurzerhand mit der Senfspritze ein großes gelbes Zett aufs feine Tuch applizierte. "Der Dezentling mit dem fatalen Senfzett an der Sakkobrust jaulte auf wie der Werwolf von London. Das passte hübsch in die laue Vollmondnacht, verbreitete einen herben Hauch gruseliger Romantik und brachte nebenbei einen kleinen Menschenauflauf zustande." Nicht in allen diesen Geschichten aus Wien geht es um die Wurscht: auch ein "schönes Schnitzerl", eine gekochte Hauskatze oder einen Kellerratz in Pfeffersoß darf man erwarten...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2004

H. C. Artmann war kein moderner Mensch, stellt Anton Thuswaldner fest. Aber er war ein "Sprachkünstler", der in seinen Gedichten Jargons, Dialekte und sprachliche Anleihen aus dem Barock und Rokoko vermischte und "neue, ungehörte Wortschöpfungen in die Welt" entließ. In diesem Buch sind kleine Feuilletons versammelt, die Artmann für eine österreichische Tageszeitung schrieb. Die 36 Texte über "Kurioses und Krauses" aus der Wiener Vorstadtperipherie, so Thuswaldner, gehören nicht zu Artmanns besten. Auch wenn sie den "Sprachzauberer" Artmann erkennen lassen, so verraten sie doch zugleich eine "konventionelle, ja biedere Weltsicht", findet unser Rezensent. "Die Witze sind mickrig", die Geschichten "banal". Für Thuswaldner drücken sie ein "beschauliches Lob des Mediokren" aus, das ihm sichtliches Unbehagen bereitet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.01.2004

Anton Thuswaldner möchte mit einigen Irrtümern bezüglich der kleinen Welt der österreichischen Literatur und seinem großen Vorbild H.C. Artmann aufräumen: Irrtum Nummer eins, wirft er in die Runde, sei gewesen, H.C. Artmann für einen modernen Dichter zu halten. Was ihn zu Irrtum Nummer zwei führt: Denn H.C. Artmann sei zwar ein begnadeter Dichter gewesen und habe fraglos lyrisches Talent besessen, aber er war kein guter Prosaautor. Davon hat sich Thuswaldner nun erneut bei dem vorliegenden Band überzeugen können, der 36 kleine Feuilletons enthält, die Artmann vor rund vierzig Jahren für eine österreichische Tageszeitung schrieb. Die sehen heute "gar nicht gut" aus, schreibt Thuswaldner und begründet sein harsches Urteil mit der überraschend "konventionellen, ja biederen Weltsicht", die sich aus diesen kleinen Geschichten ergibt. Denn Artmann konnte zwar den Menschen aufs Mauls schauen und das Dialektale nutzen, aber er war kein guter Menschenbeobachter, meint Thuswaldner. So seien die Feuilletons eher Schmunzelgeschichten, die sich mit einer Pointe über die Welt der kleinen Leute belustigen und erheben, statt sie wirklich zu erkunden. So richtig wohl gefühlt habe sich Artmann wohl nur in der Fremde und in der Vergangenheit, vermutet der Rezensent und nimmt sich selbst nicht aus, wenn er schreibt, dass man ihm dennoch alles, auch die österreichischen Feuilletons abgekauft habe, weil er sprachlich so überzeugend war.
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