Der Don, Russlands berühmter Fluss, von den Russen zärtlich "Väterchen Don" genannt, entspringt im Gouvernement Tula. Seit jeher verbinden die Russen mit dem Don Kampf und Freiheitsdrang. Kosaken siedelten hier und vertrieben die Tataren. Abtrünnige und Aufrührer machten seine Ufer unsicher. Und am Don leisteten Soldaten der Roten Armee erbitterten Widerstand gegen die deutsche Wehrmacht. An seinem Oberlauf windet sich der Don beschaulich durch Wälder, Wiesen und Sümpfe. An diese Sümpfe grenzte das "Wilde Feld", ein undurchdringliches Dickicht, in dem Nomadenstämme hausten, bis es schließlich im Laufe der Geschichte von Kosaken urbar gemacht wurde. Fritz Pleitgen, der viele Jahre lang Russland-Korrespondent der ARD war, ist seit langem von diesem Fluss, dem Schicksal der Menschen und der Literatur über den Don fasziniert. Nun hat er den Verlauf des Flusses zusammen mit der Slavistin Tina Bauermeister von der Quelle bis zur Mündung bereist. Eine Zeitreise durch das alte und neue Russland, durch die russische Provinz, weit weg von den Metropolen Moskau und St. Petersburg.
Gut unterhalten fühlte sich Rezensent Christian Schmidt-Häuser von diesem Russland-Buch des ehemaligen Moskau-Korrespondenten, wenngleich er ein wenig den Personenkult um Fritz Pleitgen kritisiert, der dazu führte, dass dessen Name größer als der des Buchtitels geschrieben sei. Insgesamt hat das Buch über das heutige Russland dann aber alles, was ein solches Buch aus seiner Sicht braucht: Sättigung mit politischem und literarischem Hintergrundwissen, reich fließende Zitate und ein Sinn fürs Anekdotische. Am stärksten bewegen den Rezensenten Schilderungen der deutsch-russischen Geschichte, besonders des letzten Krieges und seiner von der Wehrmacht begangenen Gräuel. Aber auch die Welt der ehemaligen Klöster und heutigen Luxushotels findet Schmidt-Häuser hoch informativ, auch weil es teilweise Welten sind, die man sich hierzulande kaum noch vorstellen kann.
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