Günter Seuren

Das Floß der Medusa

Roman
Cover: Das Floß der Medusa
Rotbuch Verlag, Hamburg 2004
ISBN 9783434531234
Gebunden, 252 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Ein Kunstfälscher erhält den Auftrag, das berüchtigte Gemälde "Das Floß der Medusa" von Gericault zu kopieren. Das überdimensionale Bild, wegen seiner schonungslosen Darstellung des menschlichen Ausnahmezustands seinerzeit ein Skandal, soll die Arztpraxis eines prominenten Nazis schmücken - es ist das Honorar des Arztes, der die Hand des Malers operiert und ihn so überhaupt erst wieder in den Stand gesetzt hat, zu malen. Die Entstehungsbedingungen von Kunst - seiner eigenen und der Gericaults - beschäftigen den Maler immer mehr, denn im Lauf seiner Arbeit entdeckt er, dass sein Umgang mit der Vergangenheit - und die Liebe zu einer ebenso schönen wie skrupellosen Frau - ihn in fatale Nähe zur Naziszene bringt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004

Durch Günter Seurens plötzlichen Tod im Dezember 2003 ist sein letzter großer Roman unfreiwillig zu einem Nachruf auf die eigene Person geworden, orakelt Dieter Hildebrandt. Denn "Das Floß der Medusa" handelt ausgerechnet vom Sterben, ist eine "große Phantasmagorie über Tod und Todesgrausen", so Hildebrandt. Es gibt ein Bild von Theodore Gericault, das den Titel "Floß der Medusa" trägt. Es kolportiert ein historisches Ereignis jener Zeit, den Schiffbruch eines Luxusschiffes vor Afrika, im Zuge dessen die Ärmsten der Armen von der Besatzung und den wohlhabenden Passagieren im Stich gelassen und auf einem Floß Meer, Sonne, Durst und Hunger ausgesetzt wurden. Der Protagonist des Romans, ein Maler, soll dieses Gemälde für eine Zahnarzt-Praxis kopieren und gerät immer mehr in den Bann des Bildes und dieser Geschichte, verrät Hildebrandt. Für den Rezensenten stehen die düstere Geschichte und der "helle Seuren-Sound" in reizvollem Kontrast. Seurens Sätze lassen Aphorismen aufblitzen, sie sind von einer "sarkastischen Eleganz", schwärmt Hildebrandt, der sich noch einmal vor dem Können dieses Autors verneigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2004

Kurz vor seinem Tod im letzten Jahr habe Günter Seuren diesen Roman fertig gestellt, informiert Gisa Funck. Ihr Befund zum literarischen Vermächtnis des Autors, der als Vertreter der "Kölner Schule des Neuen Realismus" in der Sechzigern Bekanntheit erlangte: "ernst, ja bedeutungsschwer", und ähnlich überfrachtet wie das Floß auf Gericaults berühmtem Gemälde, das im Zentrum der Handlung steht. Der Erzähler, ein bejahrter Kunstfälscher, soll es kopieren, und bis das Bild am Ende feierlich enthüllt wird, ist es bereits als Gleichnis über die Nazizeit und sogar über die gesamte Gegenwart der Menschheit gelegt worden. Der Blick, so die Rezensentin, geht dabei durch die Augen des Erzählers, der in eine Art Zwiegespräch mit dem Kunstwerk und seinen Figuren tritt und ansonsten "zwar jede Menge sarkastischen Spott für seine Umgebung parat hat, ohne sich jedoch tatkräftig einzumischen". Und das lässt Funck die traurige Vermutung anstellen, "dass Seuren am Ende allein der Gestus einer Unversöhnlichkeit noch übriggeblieben ist".
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