Klappentext

Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig. Mutters Knopfdose ist nicht nur voller Knöpfe - sie steckt auch voller Erinnerungen, denn an jedem Knopf hängt eine Geschichte. Ebenso an einem ordinären Stück Holz, erst recht an einer Nähmaschine. Gudbergur Bergsson erinnert sich all dieser Geschichten aus einer vergangenen Zeit - seiner Kindheit in einem Fischerdorf. Er erinnert sich an seinen Vater, der mit buchstäblich nichts als den eigenen Händen ein Haus baute. An seine Mutter, die mit einem Märchen im Sinn aus dem Leben schied. An den Zauber, jemandem einen Schreck einzujagen und übel mitzuspielen. An den Duft der Sonne. Durch dieses Buch hallt die Erinnerung an eine Kindheit, die die Kindheit ihres Erzählers ist, aber zugleich die seiner Leser: Denn es geht um allgemeingültige Erfahrungen, um elementare Erlebnisse der meisten Menschen, ob bei uns, in Island oder noch weiter weg, und sie werden auf poetische, auch boshaft-ironische Weise zur Sprache gebracht. Familie, Liebe, Trauer, Glaube, Zukunft - über all dies schreibt Bergsson, auch wenn er nur über eine Knopfdose zu erzählen scheint.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.01.2006

Recht poetisch geht es in Wolfgang Müllers Besprechung zu. An Gudbergur Bergssons autobiographischen Kindheitserinnerungen haben es ihm vor allem die "klaren" und "transparenten" Töne angetan und deren "zauberhafte Schönheit", die "im Kopf surrt". Müller vergleicht sie mit "Frostrosen", die, vom Fenster gekratzt und verspeist, wie eine "leckere Eisblumensuppe" schmecken. Zutaten dieser Suppe sind für den Rezensenten zum einen die Beobachtung, dass "alles, was schön ist, grundlos ist" (etwa die hübschen Zugvögel, die sich aus unklärbaren Motiven in die isländische Eiseskälte begeben) und zum anderen merkwürdige Homonyme der isländischen Sprache, die zu sprechenden Charakterisierungen der Familienmitglieder werden, etwa das um den Vater kreisende Wort "listamadur", das sowohl Leistenmann als auch Künstler bedeutet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2005

Gudbergur Bergsson, der - so der Rezensent Andreas Breitenstein - "Doyen der isländischen Literatur", legt einen autobiografischen Roman vor. Der Titel ist programmatisch, es geht um die Eltern, die Kindheit, die Familie. Aufgewachsen ist Bergsson auf dem Lande, in Armut, die für den Vater zu Demütigungen führt, wenn er für wenig Geld Reparaturarbeiten bei Reichen leistet. Bergsson holt weit aus, erzählt von "vier Generationen" und aus einer anderen Zeitordnung, in der, wie der Rezensent es formuliert, "man nicht einfach ein Ich war", sondern ein Glied in der Kette von Generationen und Verwandten. Von der Kindheit bleibt für Bergsson ein "Gefühl der Leere", aber eingespannt ist das alles in eine große Erzählung mit "mächtigen Bildern" und "wuchtigen Geschichten", in denen es um die "archetypischen Gegensätze des Daseins" geht. Breitenstein zeigt sich davon außerordentlich beeindruckt, gerade weil Bergsson so "nüchtern" schreibt und dennoch zum "Geheimnis der Dinge" vordringt.
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