Olafur Karason ist ein Fremdling im Island der dreißiger Jahre. Seine Leidenschaft und sein Talent gelten einzig der Literatur. In den Augen der Bauern und Städter ist er deshalb ein Faulpelz. Von den Eltern verstoßen wächst Olafur als Gemeindepflegling heran, muss schwere körperliche Arbeit verrichten, leidet unter Hunger, Schlägen und menschlicher Kälte. Später lebt er in ärmlichen Verhältnissen an der Seite einer ungeliebten Frau, seine Kinder sterben, wegen Vergewaltigung kommt er ins Gefängnis. Dort hat er eine Vision, und nach seiner Entlassung erfüllt sich doch noch sein Traum von Schönheit und Vollkommenheit. Nach den Tagebüchern des isländischen Volksdichters Magnus Hjaltason (1873-1916) zeichnete Laxness seine Figur Olafur Karason und darüber ein breites Panorama von Island. Dieser Roman des isländischen Nobelpreisträgers war bisher nur in einer sprachlich veralteten deutschen Übersetzung vorhanden. Das Buch wurde von Hubert Seelow neu übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2000
In keinem seiner Bücher, findet Walter Hinck, umkreist der isländische Nobelpreisträger den Typ des isländischen Dichters "so beharrlich" wie hier. Aber: den heutigen Leser erwarten zunächst auch Mühen und für eine über vier Romane sich spannende Saga brauche er einen langen Atem. Doch es scheint sich zu lohnen. Manchmal schwingt der Kritiker sich fast zu euphorischem Jubel auf über das vom Dichter inszenierte "mitreißende Schauspiel isländischer Natur, in dem auch die Elfen, also die Mythen ihr Daseinsrecht behaupten". Trotzdem gebe Laxness "der isländischen Gesellschaft im Zeitalter der Lohnkämpfe scharfe Konturen". Der Autor gewinnt den Respekt des Rezensenten erneut, als er die Klippen sowjetkunsthafter Schablonen bravourös umschifft, obwohl er Ende der Dreißiger Jahre seinen Roman in Moskau weiterschrieb. Und auch "als Porträtist der Volksgestalten" ohne Beschönigung hat Laxness auf den Rezensenten Eindruck gemacht. Im Roman, erfährt man auch, sind Elemente aus Tagebüchern und Aufzeichnungen des isländischen Volksdichters Magnus Hjatason verwendet worden. Die neue Übersetzung zieht Hinck der alten deutlich vor, ein Geleit- oder Nachwort vermisst er aber.
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