Gottfried Schramm

Fünf Wegscheiden der Weltgeschichte

Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783525367308
Gebunden, 432 Seiten, 36,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2004

Mit viel Sympathie und Hochachtung für den "epochen- und disziplinenübergreifenden" Gelehrten Gottfried Schramm hat Arndt Brendecke dieses Buch gelesen, wenn auch nicht gänzlich überzeugt. Unter den titelgebenden "fünf Wegscheiden" versteht Schramm jene Momente der Weltgeschichte, in denen Überzeugungsgemeinschaften auf folgenschwere Art auseinandergebrochen sind, wie Brendecke darstellt: die Entsehung des Monotheismus im 13. Jahrhundert, die Stiftung der christlichen Religion, die Durchsetzung des Protestantismus, die Bildung der amerikanischen Demokratie und schließlich und schließlich die Geburt des revolutionären Kommunismus durch die russische Intelligenzija am Ende des 19. Jahrhunderts. Bei diesem gewagten Unternehmen, erklärt der Rezensent, geht es Schramm nicht darum, in irgendeiner Form eine "Unheilsgeschichte" zu konstruieren. Was Schramm interessiert, sind die Bewegungen, die nicht auf Umsturz, sondern Erneuerung setzten und dabei eher unerwartet zu einer Abspaltung führten, die jedoch die alte Ordnung nicht ersetzte, sondern neben ihr bestand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2004

Ein "großer Wurf" sei Gottfried Schramm mit diesem Buch gelungen, findet Reinhart Koselleck. Angesichts der Parzellierung und Spezialisierung der Geschichtswissenschaft begrüßt es Koselleck sehr, dass endlich einmal wieder jemand wage, Fragen an über dreitausend Jahre Weltgeschichte zu stellen. Und er hält Schramm, der "in vielen Gebieten der Philologie, der sozialen und politischen, der Geistes-, der Kultur- und der Religionsgeschichte seit langem ausgewiesen" sei, auch für den richtigen Autor für solch eine Aufgabe. Die fünf "Wegscheiden", die Schramm unterscheidet und vergleicht, so erfährt man, sind die Entwicklung des jüdischen Monotheismus, der universale Gottesglaube der christlichen Botschaft, die lutherische Reformation, die liberal-amerikanische Verfassung und der russische Versuch, eine Gesellschaft nach dem Prinzip der Gleichheit einzurichten - gewissermaßen fünf universell bedeutsame kulturgeschichtliche Innovationen. Koselleck fallen zu dem Buch zwar auch Einwände ein, nur müsse man diese selbst als "anregendes Ergebnis" der Thesen dieses Buchs - die "uns zum Weiterdenken nötigen" - verstehen: Es verfahre "empirisch konkret" und führe so auf "provokative Einsichten"; der Leser begebe sich mit diesem Buch auf eine "gedankliche Abenteuerfahrt", die so sehr belehre wie überrasche und herausfordere.
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