Mit einem Nachwort von Alberto Panza. Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Friulanische Erinnerungsbilder vom nächtlichen Streunen am Fluss, vom Sternelesen und dem mythischen Aquileia. Zigaina, der Maler und Essayist, flicht in seinem neuen Erzählband dichte Kindheitsbilder: die Begegnung mit der Künstlertochter Elisa, die sich aus dem bombardierten Mailand in das Dorf im Karst flüchtet; das von den Alliierten befreite Udine, in dem es zu nervösen Übergriffen auf Zivilisten kommt; das Pfeifen des täglich vorbeifahrenden Orient-Express; die Schiffsreise mit dem Vater von Triest nach Lissabon; der Malwettbewerb für die faschistische Jugend; der österreichische Deserteur, der sich in den friaulischen Wäldern sicherer fühlt als in seiner Heimat. In Wachträumen entziffert der Erzähler den mythischen Urgrund Aquileias des antiken Zentrums des Handels, der Christianisierung und der Häresie und liest in der Jonasdarstellung im Bodenmosaik des Domes das kreative Grundmotiv seines Freundes Pasolini: die Inszenierung von Tod und Auferstehung. Und in der Darstellung des Widders trifft sich die Erinnerung an den Vater und an den Wunsch nach Unsterblichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2008
Rezensent Franz Haas hat die Erzählungen des Friauler Künstlers und Pasolini-Intimus Giuseppe Zigaina gern gelesen. Allerdings findet er manches bedeutend gelungener als anderes. Bisweilen wenig überzeugend findet er zum Beispiel die "diskursverliebten Abschnitte", in denen Zigaina Haas' Meinung nach etwas grundlos gedanklich abschweift. Viel Besser gefällt dem Rezensenten da die "feingliedrige Schlichtheit" von mancher "erzählenden Passage". Besonders poetisch wird Zigaina seiner Meinung nach, wenn er "Erinnerung und Gegenwart" überraschend gegenüberstellt. Haas lobt die Arbeit der Übersetzerin Karin Fleischanderl, die "perfekt die Magie der ruhig flachen Landschaft und der sprunghaften Gedanken Zigainas" aus dem Italienischen übertragen hat.
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