Im Jahre 1938 wurde die erste Stadt unter dem Hakenkreuz gegründet. Sie galt als die "Siedlung des Führers" - sollte doch hier das von Hitler lang ersehnte Volkswagenprojekt verwirklicht werden. Bis 1945 wurde sie behelfsmäßig "Stadt des KdF-Wagens" genannt. Doch der Namenswunsch für die Stadt war seit langem ein anderer. In den Blickpunkt gerät Hitlers Deckname "Wolf" - dem im vorliegenden Buch erstmals nachgegangen wird. Der Aufwand ist berechtigt, hatte doch Robert Ley vorgeschlagen: "Nach Ihnen, mein Führer, soll die Stadt Wolfsburg heißen ...", um damit Wolf alias Adolf Hitler ein ehernes Denkmal zu setzen. Ausgerechnet dieser Name wurde dann in den Wirren der ersten Nachkriegsmonate am 27. Juni 1945 tatsächlich etabliert - wie das geschah, wird hier beschrieben. Die Autoren behandeln darüber hinaus das Wirken des "Wolfsburg-Machers" Robert Ley und die Entwicklung der VW-Produktion während des Dritten Reiches.
Hitler - ein durchgeknallter Vorläufer der Konzeptkunst? Hm. Die von dem Autorenduo vertretene These, die Stadt Wolfsburg verdanke ihren Namen dem Gröfaz alias Wolf, findet Wolfgang Müller doch ziemlich verwegen. Schließlich gebe es da ja auch noch das Schloss Wolfsburg, um das herum die Stadt erbaut sei. Allerdings, lässt Müller sich mal die ganze Braunerei (Braunau, Braunhemden, Eva Braun) durch den Kopf gehen, dann kommt ihm das Ganze gar nicht mehr soo abwegig vor. Und dann imponiert das Buch ja auch noch durch seine Materialfülle: Eine Menge über "die eigenartige Stadt ... in der die Kontinuität des alten Systems bis in die Nachkriegszeit ersichtlich wird."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2001
Kurz referiert Frank-Lothar Kroll die Grundthese der Studie von Hans-Jörg und Gisela Wohlfromm, nach der die Stadt Wolfsburg nach einem während der NS-Zeit gebräuchlichen Synonym Adolf Hitlers benannt worden sei. Aber was auch alles die Autoren an zeitgeschichtlichen Referenzen des Namens beigeholt hätten, sie könnten ihre These dennoch nicht beweisen. Im Gegenteil gibt es, so Kroll, schlüssige Kenntnisse über das tatsächliche Zustandekommen der Namensgebung. Den damit verbundenen Fragen wichen die Autoren aber aus, wie überhaupt ihre Forschungsergebnisse recht dürftig seien. Somit hält der Rezensent die "Gesamtintention" des Buches für verfehlt. Allenfalls könne man ihm die Erkenntnis entnehmen, wie fragil historische Sensibilität im Umgang mit Namen und Worten sei.
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