Gian Domenico Borasio

selbst bestimmt sterben

Was es bedeutet. Was uns daran hindert. Wie wir es erreichen können
Cover: selbst bestimmt sterben
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406668623
Gebunden, 206 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Die öffentliche Debatte über das Lebensende wird auf unverantwortliche Weise auf die Frage nach Euthanasie bzw. Suizidhilfe reduziert. Dabei betreffen diese Möglichkeiten, aus dem Leben zu scheiden, selbst dort wo sie gesetzlich erlaubt werden, nur einen winzigen Teil der Bevölkerung. Was ist aber mit der riesengroßen Mehrheit an Menschen, für die es nicht darum geht, den eigenen Todeszeitpunkt selbst bestimmen zu wollen? Was bedeutet "selbstbestimmtes Sterben" in der modernen Gesellschaft? Ausgehend von den neuesten wissenschaftlichen Studien führt das Buch den Leser Schritt für Schritt dazu, seine ganz eigenen Vorstellungen über das Lebensende zu entwickeln, und beschreibt Mittel und Wege, um diesem Ziel - trotz aller Hindernisse - möglichst nahe zu kommen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.11.2014

Seit einigen Jahren wird die Debatte um aktive und passive Sterbehilfe wieder vehement geführt, weiß Gabriele von Arnim, nach wie vor ist umstritten, ob Ärzte die "Intention der Lebensverkürzung" unterstützen, oder am klassischen Anspruch, "Leben um jeden Preis zu retten" festhalten sollten. Am Anfang von Gian Domenico Borasios Buch "selbst bestimmt sterben" lauert eine merkwürdige Formulierung, verrät die Rezensentin, vom "Sterben für Fortgeschrittene" ist dort die Rede, ein unglücklicher Einstieg, findet von Arnim. Der Rest des Buches zeugt aber von den beeindruckenden Kenntnissen des Palliativmediziners, der überraschenderweise sogar den Auszug eines Gesetzesentwurfes vorlegt, den er mit drei Kollegen verfasst hat, und der, unter strengen Restriktionen wohlgemerkt, eine Legalisierung des assistierten Suizids vorsieht, erklärt die Rezensentin. Borasio macht also einen entschiedenen Schritt aus dem üblichen Lagerdenken hinaus, lobt von Arnim.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.10.2014

Matthias Kamann lernt von dem Palliativmediziner Gian Domenico Borasio nicht nur, was Dylan Thomas über die letzte Nacht schrieb, sondern vor allem, was Medizin und Gesellschaft in Sachen Sterbehilfe noch zu begreifen haben. Von "Sterbeperformance" will der Autor nichts wissen und empfiehlt laut Kamann stattdessen, die Bedürfnisse des Patienten Ernst zu nehmen. Borasios Plädoyer für eine hörende Medizin, erläutert der Rezensent, beeinhaltet auch die Akzeptanz von Verweigerung. Als Leitfaden durch eine begriffsverwirrte und vorurteilsschwangere Debatte wie als nüchterne Lageanalyse kann Kamann das Buch nur empfehlen.
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