Aus dem Englischen von Thomas Ganschow. Wer das Neue Testament aufmerksam liest, dem wird auffallen, dass es einen Bruch gibt zwischen der Verehrung Jesu durch die Juden, von der die Evangelien berichten, und dem Verhalten der Juden am Tag der Kreuzigung. Bis zu der verhängnisvollen Woche in Jerusalem, die mit der Kreuzigung endet, erscheint Jesus als Wunderheiler, Exorzist und mitreißender Prediger in Galiläa am See Genezareth. Auch bei seinem Einzug in Jerusalem wird Jesus als Held einer begeisterten Menge geschildert. Wenn wir den Evangelisten Glauben schenken, kommt es jedoch am letzten Tag im Leben Jesu plötzlich zu einem grundlegenden Wandel: Er wird zum Ziel des Hasses, nicht nur für die Autoritäten der jüdischen Religion, die Oberpriester und den Sanhedrin, sondern auch für das jüdische Volk als Ganzes. Alle Menschen, "die Juden", fordern seinen Tod und drängen den römischen Statthalter, ihn zu kreuzigen. Was ist passiert an jenem Tag, dem Karfreitag, in Jerusalem vor rund 2000 Jahren? Was wissen wir eigentlich wirklich über Jesu Leidensweg von der Verhaftung über den Prozess bis zur Kreuzigung? Dieser Frage geht Geza Vermes Schritt für Schritt auf den Grund. Dabei wertet er die Evangelien vergleichend aus, aber auch Quellen außerhalb des Neuen Testaments, die einen Zugang zum historischen Kontext - aus jüdischer wie römischer Sichtweise - eröffnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2006
Geza Vermes' Arbeit über die "wahre Geschichte der letzten Tage im Leben Jesu" erweckt bei Ekkehard W. Stegemann den Eindruck, als gehe es "mit Scotland Yard zu den Evangelien". Ein wenig erscheint ihm der Oxforder Professor für jüdische Studien und renommierte Jesus-Forscher beim Erforschen der Quellen und Sammeln von Belegen nämlich wie ein Detektiv, der mit Fachwissen und gesundem Menschenverstand die Wahrheit über die Passion Christi herausfinden will. Durch vergleichende Lektüre der Evangelien und Einbeziehung anderer Quellen, zumal zum jüdischen Recht und zur römischen Geschichte, suche Vermes das Stimmige zu eruieren. Detailliert berichtet Stegemann über Erkenntnisse des Autors. Im "Grossen und Ganzen" beurteilt er Vermes` Rekonstruktion der letzten Tage Jesu als "plausibel", auch wenn er in manchen Punkten anderer Meinung ist. Skeptisch äußert er sich gegenüber Vermes' historiografischem Optimismus. In diesem Zusammenhang hebt er hervor, dass die historische Kritik auch selbst Unplausibles erzeugen kann - weswegen sie sich auch kritisch zu sich selbst verhalten müsse.
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