Die Technik ist uns auf den Leib gerückt. Und das nicht nur im wörtlichen Sinne - durch Implantate, Transplantate und technische Substitute von Organen - sondern auch im übertragenen: Technische Einrichtungen und Infrastrukturen bestimmen, was heute Wahrnehmung ist, was Kommunikation ist und welche Formen von sozialem Leben möglich sind. Das erfordert ein grundsätzliches und neues Verständnis von Technik, nach dem Technik nicht mehr einfach ein Mittel zum effizienten Erreichen vorgegebener Zwecke ist, sondern ein materielles Dispositiv, also etwas, das die Formen menschlichen Verhaltens und menschlicher Verhältnisse ermöglicht, aber auch einschränkt. Deshalb ist die Technikphilosophie dieses Buches auch immer zugleich Technikkritik. Der Cyborg, ein Hybrid aus Technischem und Organischem, wäre nicht der geforderte Übermensch, sondern vielmehr der von Nietzsche antizipierte ""letzte Mensch". Es geht deshalb in diesem Buch um die Bewahrung von Humanität unter den Bedingungen der technischen Zivilisation.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2009
Recht kurz und knapp, wenn auch nicht wirklich unfreundlich fertigt Rezensent Martin Meyer diesen eigentlich grundsätzlich gemeinten Einspruch gegen die Technisierung der Gegenwart ab. Böhme will - eben gegen die Technik - die Natur neu und erneut in Stellung bringen, gegen das Unheil einer instrumentell gewordenen Vernunft. Schön und gut, meint der Rezensent, zweifelt jedoch daran, dass man auf einem von aller Technik gereinigten Begriff der Natur im Ernst noch bestehen kann. Schon gar mit "Yoga" und mit "Tai-Chi". Die prophezeite "Indifferenz" des "technischen Dispositivs" gegen Böhmes Widerrede scheint daher aus dieser Kurzkritik gleichfalls zu sprechen.
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