Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751830614 Kartoniert, 126 Seiten, 14,00
EUR
Klappentext
Aus dem Russischen von Isabel Jacobs. Hrsg. von Martin Küpper und Sascha Freyberg. Die Kosmologie des Geistes des sowjetischen Philosophen Ewald Iljenkow untersucht die Rolle des Denkens im Universum und geht davon aus, dass Denken und Materie, Geist und Natur in einer universellen, notwendigen Wechselwirkung stehen - das Denken als notwendige Eigenschaft der Materie und die Menschheit als Agentin des Denkens, in der Lage, den entropischen Kollaps des Universums durch Selbstauslöschung zu verhindern. Es ist eine spekulative Phantasmagorie, die Wissenschaft und Philosophie wortwörtlich zu Ende denkt - bis zum Ende aller Dinge, das sich als Anfang eines neuen kosmischen Zyklus entpuppt. Der Text entstand in einer Zeit des technologischen Aufbruchs in der Sowjetunion in den 1950er-Jahren, wurde aber erst Ende der 1980er-Jahre posthum veröffentlicht. Er liegt nun erstmals vollständig in deutscher Übersetzung vor, mit einer ausführlichen Einleitung, die Leben und Werk Iljenkows sowie den philosophie- und wissenschaftsgeschichtlichen Hintergrund beleuchtet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2026
Eine anregende Lektüre ist Ewald Wassiljewitsch Iljenkows erstmals auf deutsch vorliegendes Buch für Rezensent Ulrich Schmid. Iljenkow, der in der Sowjetunion mit seiner eigenwilligen Auslegung des historischen Materialismus immer wieder aneckte, weshalb auch die vorliegende Schrift nur posthum erscheinen konnte, argumentiert hier einerseits, dass es kein Denken ohne Materie gibt; und andererseits, dass die Geschichte weder Anfang noch Ende hat, weil beides die Macht des Denkens verneinen würde. Deshalb spekuliert er über einen neuen Aggregatzustand der Menschheit in ferner Zukunft nach ihrer freiwilligen Selbstauslöschung. Schmid ist von diesem abenteuerlichen Gedanken und auch insgesamt von dieser Schrift, die auch mit zeithistorischen Themen wie der atomaren Bewaffnung zu tun hat, ziemlich beeindruckt.
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