David Wagner

Leben

Cover: Leben
Rowohlt Verlag, Reinbek 2013
ISBN 9783498073718
Gebunden, 288 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Der Anruf kommt um kurz nach zwei. Ein junger, sterbenskranker Mann geht ans Telefon, und eine Stimme sagt: Wir haben ein passendes Spenderorgan für Sie. Auf diesen Anruf hat er gewartet, diesen Anruf hat er gefürchtet. Soll er es wagen, damit er weiter da ist für sein Kind? Er nimmt seine Tasche und lässt sich ins Berliner Virchow-Klinikum fahren. Von der Geschichte und Vorgeschichte dieser Organtransplantation handelt "Leben": von den langen Tagen und Nächten im Kosmos Krankenhaus neben den wechselnden Bettnachbarn mit ihren Schicksalen und Beichten - einem Getränkehändler etwa, der heimlich seine Geliebte besucht, oder einem libanesischen Fleischer, der im Bürgerkrieg beide Brüder verlor. Beim Zuhören bemerkt er zum ersten Mal, dass auch er schon ein Leben hinter sich hat. Und da, in seinem weißen Raumschiff Krankenbett, unterwegs auf einer Reise durch Erinnerungs- und Sehnsuchtsräume, kreisen die Gedanken: Wen hat er geliebt? Für wen lohnt es sich zu leben? Und welcher Mensch ist gestorben, so dass er weiter leben kann, möglicherweise als ein anderer als zuvor?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.06.2014

Sehr kenntnisreich ordnet Dirk Knipphals diesen vierten Band des inzwischen legendären sechsbändigen Romanunterfangens "Mein Kampf" (das im Deutschen nicht so heißt) in das bisherige Gesamtwerk ein. Glaubt man dem Rezensenten, dann tut der Leser gut, zunächst die Bände 1 bis 3 gelesen zu haben, denn Band 4 ist auf den ersten blick ein wenig enttäuschend, erstmal gibt es "keine 'bedeutenden' Szenen, nirgends". Der Band wirkt wie ein traditioneller Coming-of-Age Roman vor der grandiosen Kulisse Nordnorwegens. Faszinierender wird die Sache, indem Knipphals sie in den Kontext einordnet und die beiden Kämpfe Knausgards schildert: einerseits den Kampf der Hauptfigur um Sinn in seinen Leben und andererseits den Kampf des Autors Knausgards mit den literarischen Formen. Hier liefert auch Band 4 bedeutende Puzzleteile. Am Ende stellt Knipphals Knausgard auf eine Stufe mit dem literarisch so anders verfahrenden David Foster Wallace.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2013

David Wagner ist auch nach seiner Lebertransplantation noch derselbe lakonische Beobachter des Alltags, als den Sabine Vogel ihn kennt und den sie auch schmerzlich vermisst hätte. In seinem Roman "Leben" geht es um seine Operation, einige graue Seiten teilen das Buch in ein "Davor" und ein "Danach", erklärt Vogel. Davor wurde Wagner von seiner eigenen Leber vergiftet, die hohe Ammoniakdichte führte zu ständiger Müdigkeit, nicht umsonst ist die Leber der Sitz der Melancholie, erfährt die Rezensentin vom Autor. Nach einem "dramatischen Durchbruch der Blutgefäße in seiner Speiseröhre" findet sich Wagner auf der Intensivstation wieder. Nach der rettenden Operation ist er erstmal ziemlich froh, am Leben zu sein, aber die Euphorie hält nicht allzu lange an: "Der Wunsch, aus dem Fenster zu springen, kann ihn auch 'Danach' jederzeit überfallen", erklärt die Rezensentin. Gut so, findet sie, sonst wäre dieses Buch wohl kaum zustande gekommen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2013

Rezensent Frank Schäfer ist begeistert von diesem "großartigen" Buch, in dem David Wagner seine eigene und nur leicht verfremdete Krankheitsgeschichte - er litt an einer Autoimmunhepatitis, die die Leber als Fremdkörper aus dem Organismus ausstößt - erzählt und darin zugleich die passende Form für eine Dankesbekundung an seinen Leberspender findet. Im Zentrum steht dabei eine assoziativ verfasste Chronik des Krankenalltags, die der Rezensent als "reziprokes Reisetagebuch" auffasst: Anders als vorangegangene Bücher des Autors handelt "Leben" nicht davon, sich die Welt bummelnd zu erschließen, sondern von der Erkundung der eigenen Innenwelt vom Krankenbett aus. Von dieser Reise kehrt der Autor mit reicher Beute in Form von zahlreichen Notizen und Essays zurück: Ein literarischer Mahlstrom, dem sich Schäfer mit größter Wonne überantwortet hat, auch wenn ihm bei Wagners knochentrockenem Sarkasmus gelegentlich das Lachen im Halse stecken bleibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013

So wenig man einem Autor eine solche Erfahrung wünschen möchte, die diesem Buch zugrunde liegt, so sehr hält Helmut Böttiger für einen "echten Glücksfall", dass David Wagner es geschrieben hat. "Leben" erzählt, oberflächlich betrachtet, von einer Lebertransplantation, die der Autor aufgrund einer Autoimmunhepatitis brauchte, um das Warten auf ein Spenderorgan, um Existenzängste, Erleichterung und Melancholie. Das autobiografische Buch ist in zweihundertsiebenundsiebzig "Bruchstücke" eingeteilt, von denen jedes einzelne wertvoll ist, erklärt Böttiger, das spüre man intuitiv. Unterteilt werden sie durch zwei blanke, weiße Seiten und eine schwarze in ihrer Mitte: die Operation. In einer Sprache, die sich vom eigenen Dasein distanziert, die versucht, es in den Griff zu kriegen, die aber trotz ihrer Bescheidenheit schillert, schildert Wagner einzelne Momente seines Lebens, ohne sie jedoch auszuerzählen.
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