1900, Peking. Baron von Ketteler, der deutsche Botschafter in Peking, wird von einem Mitglied des fremdenfeindlichen Geheimbunds der chinesischen "Boxer" erschossen - der Startschuss zum "Boxeraufstand". Missionare, chinesische Christen und "fremde Teufel" werden landauf, landab massakriert. Tausende chinesische Aufständische wollen das Gesandtschaftsviertel in Peking stürmen, in dem die schlecht bewaffneten Diplomaten und ihre Familien, Diener und Gäste sich in ihrer Verzweiflung verschanzt haben. Das chinesische Kaiserhaus gibt sich entsetzt, scheint aber im Geheimen mit den Aufständischen zu paktieren - und tut nichts. Unter den Belagerten befindet sich auch die gerade frisch in China eingetroffene Familie des deutschen Kaufmanns Lenk, dessen Handelsimperium in der deutschen Kolonie Tientsin gerade zu florieren begann. Sein Sohn ist vor wenigen Tagen bei einem Ausflug zur chinesischen Mauer verschwunden - wahrscheinlich entführt. Einundfünfzig Tage müssen die Belagerten unter immer dramatischeren Umständen ausharren und um ihr Leben fürchten ...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.11.2008
Jürgen Zimmerer ist alarmiert: Karl May lebt! Zähneknirschend würde Zimmerer das Wiedererstarken des literarischen Kolonialismus in Kauf nehmen, wäre das betreffende Buch wenigstens spannend. Gerhard Seyfried entwirft seinen Plot um eine hübsche Hauslehrerin um 1900 im chinesischen Tsingtao derart stur aus westlicher Perspektive, dass Zimmerer vermutet, der Autor habe über dem Studium historischer Dokumente zur deutschen Kolonialgeschichte in China die kritische Distanz verloren. Was Seyfrieds Empathie für Offiziere, Hausangestellte und Sozialdemokraten angeht, will der Rezensent ja nicht meckern. Und selten, staunt er, wurde derart viel geschossen, marschiert und gedarbt. Doch soviel westlicher Dünkel bei so geringem Interesse für China und das Suspense-Bedürfnis des Lesers schrecken den Rezensenten ab.
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