Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann. "Ich war ein Meister im Staunen und eine Null im Glauben", schrieb er einmal über sich selbst. In dieser Haltung, gleichermaßen offen und radikal skeptisch, richtete er sich über Jahrzehnte auf seinem Beobachtungsposten ein, einem Haus am Hang des Salzburger Festungsbergs, zurückgezogen, aber nicht isoliert, abgekehrt, aber alles andere als gleichgültig. Mit Scharfsinn und Schärfe, verspielt in seinem Witz und kompromisslos in seiner Ernsthaftigkeit bezeugte er seine Haltung - gegen allen Dogmatismus, gegen Banalität und Größenwahn. Davon spricht jedes seiner Bücher, aber ganz besonders die bisher unveröffentlichten Tagebücher, die jetzt endlich in einer Auswahl vorliegen. Betrachtungen und Selbstbetrachtungen, wach, gereizt, brillant, höhnisch, verträumt und schonungslos bis zu dem Punkt, an dem die Parkinson-Erkrankung ihr Zerstörungswerk beginnt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2013
In den Tagebüchern des Schriftstellers Gerhard Amanshauser lauscht Daniela Strigl einer sehr dezenten Stimme der österreichischen Nachkriegsliteratur. Die vom Sohn des Autors ausgewählten Passagen bezeugen laut Strigl eine geradezu pathologische Uneitelkeit des Verfassers, eher eine Seltenheit unter Autoren, für Strigl allerdings auch den Vorteil bergend, dass der Autor sich von Anbeginn keine Illusionen macht über seinen Werdegang. So deprimierend wie imposant scheint der Rezensentin eine derartige Haltung, die scheinbar recht unterhaltsam wird, wenn Amanshauser sie gegen Kollegen wendet (André Heller - ein Schnulzensänger, Hochhuth - ein Nichtskönner etc.). Für Strigl bietet der Band genug Anreiz, ein eigensinniges Werk kennenzulernen.
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