Alle Kinder wollen, dass es gerecht zugeht. Doch oft merken sie erst spät, dass einige bevorzugt werden und andere trotz Anstrengung nicht weiterkommen. Viele Unterschiede in Herkunft, Sprache, Ernährung oder Kultur bleiben für Kinder zunächst unsichtbar - und prägen trotzdem ihr ganzes Leben. Genau hier setzt das Klassenbuch an: Es öffnet Kindern die Augen für soziale Unterschiede, wie sie schon Pierre Bourdieu beschrieben hat. Am Beispiel einer Grundschulklasse zeigt Gerda Raidt, wie kleine Unterschiede im Alltag - beim Wohnen, Essen, Sprechen, Sport oder kulturellen Aktivitäten - langfristige Folgen haben können.
Rezensentin Dina Netz lobt dieses Buch der Berliner Autorin und Illustratorin Gerda Raidt mit einer kleinen Einschränkung. Zunächst findet es die Kritikerin durchaus wichtig, dass auch Kindern das Thema Klassismus nähergebracht wird - und das gelingt Raidt vorbildlich, meint sie. Ausgehend von Bourdieus "feinen Unterschieden", aber nie theoretisierend legt die Autorin in Bild und Text an vielen Beispielen wie Kleidung, Sprache, Lebensmittel oder Tischmanieren dar, wie sich jene "feinen Unterschiede" bemerkbar machen. Auch komplexe Zusammenhänge weiß Raidt gut zu vermitteln, lobt Netz. Nur die zur Schau getragene Empörung, die sie auf jeder Seite anklingeln lässt, indem die Kinder im Buch in hervorgehobenen Sätzen immer wieder rufen: "Das ist doch ungerecht!", hätte es nicht gebraucht, schließt die Rezensentin.
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