Fritz Kramer

Schriften zur Ethnologie

Cover: Schriften zur Ethnologie
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518292884
Taschenbuch, 419 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Tobias Rees. Die eigene Welt mit den Augen einer fremden Welt zu sehen, das ist identisch mit der Anstrengung, eine andere Gesellschaft aus sich selbst heraus zu verstehen. Zur Frage steht also: Wie sehen wir außereuropäische Kulturen, wie stellen wir sie dar - und umgekehrt, wie sehen andere Kulturen uns? In den hier versammelten Essays geht Fritz Kramer diesen Fragen sowohl in ethnographischer als auch in genealogischer Perspektive nach. Am Beispiel Afrikas etwa wird dargelegt, wie Fremdgeistbesessenheiten, in denen die 'Welt des weißen Mannes' zur Darstellung kommt, einen Zugang zur Realität einer anderen Gesellschaft bieten. Und mit Blick auf europäische Traditionen werden Begriffe und Konzepte, mittels derer wir außereuropäische Kulturen darstellen, historisiert, um zu einer Darstellung fremder Wirklichkeiten zu gelangen, die auf klassische Kategorien der Fremddarstellung verzichtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2006

Erfreut zeigt sich Rezensent Karl-Heinz Kohl über diesen Band mit Aufsätzen Fritz W. Kramers aus den letzten dreißig Jahren. Er würdigt Kramer als einen der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Ethnologen, der durch seine Schriften entscheidend dazu beigetragen habe, die Ethnologie auch einem breiteren Publikum näher zu bringen. Ausführlich berichtet Kohl über Kramers Bemühungen um die britische Sozialanthropologie und dessen Gründungsvater Malinowski sowie über seine Wiederentdeckung der Kulturmorphologie von Leo Frobenius und Adolf E. Jensen. Besonders Kramers Theorie einer Anthropologie der Passiones sieht er von diesen beiden Autoren inspiriert. Weiter erwähnt Kohl die Aufsätze über die Frage nach den fundamentalen Unterschieden zwischen afrikanischer und europäischer Kunst. Den "großen Reiz" von Kramers Ansatz erblickt Kohl darin, dass er die in der postmodernen Ethnologie vielbeklagte Grenze zwischen "uns" und den "anderen" gar nicht erst einzureißen versuche, sondern die Differenzen in der wechselseitigen Wahrnehmung dazu nutze, "um neues Licht sowohl auf die eigene als auch auf die fremde Gesellschaft zu werfen." Wie fruchtbar dieses Verfahren ist, verdeutlichen für Kohl insbesondere Kramers Aufsätze über die Nuba im südlichen Sudan.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Fasziniert zeigt sich Rezensent Andreas Eckert von diesem Band mit Aufsätzen des Soziologen und Ethnologen Fritz Kramer, dessen Werk er als "ungemein anregend" würdigt. Mit Beiträgen aus dreißig Jahren bietet die vorliegende "kluge Auswahl" nach Ansicht Eckers einen "vorzüglichen Einblick" in die "Originalität und Vielfalt von Kramers Denken". Als thematische Schwerpunkte des Bandes nennt Eckert die Geschichte der Ethnografie, Formen der Fremderfahrung, Kult und Kunst in Afrika sowie das Leben der südlichen Nuba im Sudan. Reflektierende Gespräche zwischen Kramer und Tobias Rees ergänzten die jeweiligen Themenbereiche. Von Rees stammt zudem das Nachwort, das Eckert als "kenntnisreich" lobt. Ausführlich zeichnet der Rezensent die Stationen von Kramers wissenschaftlichen Weg nach. Dabei hebt er dessen heute zum Gemeingut gehörende These hervor, die Wahrnehmung des Anderes sei immer eng mit der Eigenwahrnehmung verknüpft, Ethnografie könne mithin als "Selbstauslegung im Anderen" verstanden werden. Er verweist aber auch auf den ebenfalls in diesem Band dokumentierten Perspektivenwechsel Kramers, mit dem die Frage ins Zentrum rückte, wie afrikanische Gesellschaften die für sie fremden Europäer darstellten. Das Resümee des Rezensenten: "Man muss Kramers Ansicht nicht alle teilen, um seine Schriften immer wieder mit Gewinn lesen zu können."
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