Aus dem Englischen von Anne Rademacher. Tory ist eine der vielen Frauen, die während der Kriegsjahre in London ausharren - geplagt von Hunger und ständiger Erschöpfung. Ihre Kinder sind aufs Land verschickt, dafür ist ihre nervige Mutter ins kleine Reihenhaus eingezogen. Eines Tages trifft ein Brief von ihrem Mann Donald aus deutscher Kriegsgefangenschaft ein. Darin bittet er sie um "schmutzige" Briefe, denn er fühlt sich sexuell ausgehungert. Nach langem Zögern kommt Tory der Bitte nach - allerdings erst, nachdem ihr eine Affäre die notwendigen Erfahrungen dafür liefert. Als Donald schließlich nach London zurückkommt und sich zum Familientyrannen aufschwingt, bleibt Tory nichts anderes übrig als ihn - auszuhungern. Ein hintergründiger und kluger Roman über die Beziehung der Geschlechter und über die schwierige Balance zwischen Geben und Nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2012
Inhalt und Form haben das gleiche Problem in diesem Shakespeare nacheifernden Roman von Gerard Woodward, wie Sophie Lübbert erklärt. Sie können es nicht leisten, zugleich zu erzählen und zu deuten. Was Woodwards Figuren im zerstörten London nach dem Zweiten Weltkrieg dem Leser am meisten entfremdet, ist der ihnen vom Autor auferlegte Zynismus, ihre metaphysische Dimension, so Lübbert. Dass diese uralte Problematik (die Shakespeare, wie Lübbert ganz richtig erkennt, meisterte) zugleich von der Güte von Woodwards Roman zeugt, wie die Rezensentin behauptet, lässt sich allerdings nicht sehr gut nachvollziehen.
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