Scientology war das gesellschaftspolitische Thema der 1990er Jahre und bis zu den Ereignissen des "11. September" galt Scientology als Synonym des Bösen überhaupt. Diese erste umfassende deutschsprachige Scientology-Analyse, die keinem normativen Ansatz verpflichtet ist, lässt die Frage nach dem Bösen notwendig offen. Aber sie kommt zu einem unbequemen Ergebnis, weil der Blick "jenseits der Devianz" den scientologischen Wesenszug der modernen Gesellschaft und ihrer "Normalitätsreligion" enthüllt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2005
Ein "gutes Buch" sieht Rezensent Gerd Roellecke mit Gerald Willms? Untersuchung über Scientology vorliegen. "Uneingeschränkt" loben kann er es allerdings nicht. Willms wolle, ausgehend von dem Standpunkt der "Kulturwertperspektive", das hierzulande herrschende Urteil, Scientology sei gemeingefährlich, verfassungswidrig und deviant, einer soziologischen Prüfung unterziehen. Er zeige, dass Scientology als Heilslehre Kulturwerte wie Rationalität, Selbstbewußtsein und -verantwortung, Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit aufgreift und weiterentwickelt und auf eine Modernisierung des Bewusstseins abzielt. Als Gründe für die Kritik an Scientology nenne Willms zum einen das antiquierte Religionsverständnis, das ihr zugrunde liege, zum anderen, dass sie nicht bemerke, dass es im Bereich der "Normalgesellschaft" Erscheinungen gebe, die den bei Scientology kritisierten Tatbeständen zumindest ähneln. Roellecke hält das Instrument der "Kulturwertperspektive" weder für neutral noch für wirklich erkenntnisfördernd. Denn sie entbinde den Autor von der wichtigen Entscheidung, ob Scientology nun eine Religion ist oder nicht.
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