Marlene Streeruwitz
Auflösungen.
Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103971996
Gebunden, 416 Seiten, 28,00 EUR
ISBN 9783103971996
Gebunden, 416 Seiten, 28,00 EUR
Klappentext
Nina Wagner, 56, Lyrikerin aus Wien, unterrichtet in New York. Im Gehen durch ihr sehr persönliches New York erzählt sich ihr ganzes Leben, sie denkt über ihre Lieben, ihre Familie und die Gesellschaft nach. Dabei beobachtet sie die US-amerikanische Umgebung und findet unerwartete Erkenntnisse über ihre aus Wien mitgebrachten Probleme. Durch einen Gewaltakt auf der Straße wird sie von der Beobachterin zur Teilnehmerin dieser Gesellschaft, bevor die Ereignisse aus Wien sie wieder einholen und viele Rätsel sich lösen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.09.2025
Auch in Marlene Streeruwitz' neuem Roman kann Rezensentin Meike Feßmann eine "Rhetorik der Verschlimmerung" beobachten: Ihre Protagonistin, die Lyrikerin Nina Wagner, kommt für eine Poetikdozentur nach New York. Dort scheint es ihr, als würden alle "Handyzombies" die Stadt verstopfen und als wäre der Spirit der 1970er Jahre endgültig verloren - obwohl sie eigentlich zu jung ist, um ihn miterlebt zu haben, wie Feßmann betont. Im zweiten Teil des Romans folge dann der völlige Absturz der Figur, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, sodass auch die Sehnsucht nach Fürsorge ein wichtiges Thema sei. Dass Streeruwitz und ihre Protagonistin diese Suche auch für Rechte einräumen, nicht aber für bedürftige Alkoholikerväter, liest sich für die Kritikerin larmoyant und insgesamt doch eher "fehlkonstruiert".
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.07.2025
Mit Marlene Streeruwitz' neuem Roman hat Rezensentin Andrea Köhler mal wieder ein Buch der Österreicherin vor sich, das im stakkatohaften Stil atmosphärische Beobachtungen und die Innerlichkeit eines ganz durchschnittlichen, aber zunehmend zerrissenen Frauenlebens einfängt. Die Handlung spielt in New York, kurz vor Trumps Wiederwahl, die Lyrikerin Nina Wagner hat dort einen Lehrauftrag, erfahren wir. Nicht nur der Niedergang von New York als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten beschäftigt sie, auch ihre erwachsene Tochter, die Wechseljahre, Ghosting. Für Köhler ein Buch, das "im ungebremsten Darstellungsfuror" von den Zermürbungen des Lebens spricht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2025
Das neue Buch von Marlene Streeruwitz mag Rezensentin Frauke Steffens im Grunde schon, sie hat freilich einen gewichtigen Einwand. Zunächst zum Positiven: Wieder gelinge es Streeruwitz, findet Steffens, das Innenleben ihrer Figur mit den Vorgängen in der Außenwelt in ein Spannungsverhältnis zu setzen. In diesem Fall heißt die Heldin Nina und irrt durch New York, eine Stadt, mit der sie nicht mehr viel anfangen kann. Auch, wie die Autorin die zum Teil absurden sexuellen Erfahrungen ihrer Protagonistin mittleren Alters verpackt, gefällt der Rezensentin. Was ihr dagegen weniger behagt, ist, dass die Autorin meint, mit diesem Buch einen Abgesang auf New York in Zeiten von Trump und Mieterhöhungen geschrieben zu haben. Denn anders als Streeruwitz ist Steffens nicht der Ansicht, dass New York out ist, es ist vielmehr immer noch lebendig, wenn man sich nicht, wie Nina hier, auf einen engen Ausschnitt der Stadt im sehr weißen, europäisch geprägten Manhattan fokussiert. Steffens rät Streeruwitz' Filmfigur und auch der Autorin selbst: einfach mal die eigene Bubble hinter sich lassen, dann entdeckt man schnell, dass New York immer noch eine äußerst lebendige Stadt ist.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.05.2025
Mit "Auflösungen" beweist Marlene Streeruwitz, dass sie immer noch die "lässigsten, individuellsten Romane weit und breit" schreibt, findet Rezensentin Judith von Sternburg. In ihrem New-York-Roman erzählt Streeruwitz von Auflösungen in beider- oder sogar allerlei Wortsinn - ein paar Rätsel werden gelöst, ein Sozial- und Wertesystem ist in Auflösung begriffen - etliche Arten des Elends begegnen der Protagonistin in New York, die sich dazwischen auch irgendwie auflöst in der "Sprache der Mächtigen". Streeruwitz erzählt davon auf die ihr eigene, ihren Leserinnen und Lesern bereits vertraute Weise, welche sich hier abermals als angemessene Methode erweist, so von Sternburg. Als ein "Stochern und Weitereilen" beschreibt die Rezensent diese Methode, ein Erzählen, das sich und uns keine falsche Ruhe lässt und dennoch nie atemlos wirkt, ein Erzählen, das etliche Diskurse und Phänomene streift, im Vorbeigehen und trotzdem nicht oberflächlich erscheint: Die Anklage Trumps, den Zerfall einer Kultur, Armut, Kapitalismus, toxische Männlichkeit, Aids - das alles wird in der Momentaufnahme aus der Perspektive einer Frau erfasst, die das tut, beschreibt von Sternburg, was sonst Männer tun: "hinreißend und wehleidig" um sich selbst kreisen. Am Ende spitzt sich alles zu, einiges löst sich auf und manches bleibt hängen, so die hingerissene Rezensentin über diesen mitreißenden Gegenwartsroman.
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