Georg Scheibelreiter entwirft eine Mentalitätsgeschichte der Jahrhunderte, in denen das mediterran geprägte Europa der Spätantike allmählich von der "barbarischen" Lebensweise des Mittelalters durchsetzt und abgelöst wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2000
Wenig Sympathie entwickelt Matthias Grässlin für Autor und Buch, wo "in lockerer thematischer Ordnung" Episoden aus dem Leben der Chilperiche, Meroweche und Dagoberte, ihrer Ehefrauen und Untertanen dargeboten würden, "und zwar im Walzertakt von Paraphrase, Kommentar und Überleitung zur jeweils nächsten Episode". Das "Unternehmen", eine so schlecht dokumentierte Epoche "allein aus anekdotischen Aperçus und psychologischen Porträts" erschließen zu wollen, findet unser Rezensent ziemlich verwegen und wohl auch nicht sehr stichhaltig. Scheibelreiters "merowingische Exegesen" verlören sich regelmäßig "in wabernden Seinsaussagen über das existenzielle Befinden des Barbaren", die dem Rezensenten doch einigermaßen vorurteilsgeladen zu sein scheinen. Und auch als "Adept der textimmanenten Existenzialpragmatik" macht Scheibelreiter in den Augen unseres wohl nicht ganz unparteiischen Rezensenten keine sonderlich gute Figur.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2000
Da geht "vg" in einer kurzen Rezension böse ins Gericht mit dem Wiener Professor Scheibelreiter; den Wandel von den römischen zu den frühmittelalterlichen (= barbarischen) Herrschaftsformen hat er zeigen wollen, dabei aber Konstantinopel und den Islam gänzlich ausgelassen, auf italienische und spanische Quellen verzichtet und die neuere angelsächsische Forschung unbeachtet gelassen. Trotz einer Fülle von faszinierendem Material ist dabei ein "ziemlich enges Europa" herausgekommen, urteilt "vg".
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