Mit einem Vorwort von Jürgen Goldstein. Georg Forster unternahm im Frühjahr 1790, begleitet (!) vom noch jungen Alexander von Humboldt, eine Reise, die ihn vom Rheingau nach Ehrenbreitstein, Köln, Düsseldorf über Aachen unter anderem nach Lüttich und Brüssel, in die Niederlande nach England und schließlich nach Paris führte. In seinem dreibändig erschienenen Werk hat er seine Beobachtungen festgehalten. "Ansichten vom Niederrhein" stand lange im Schatten seiner epochalen "Voyage Round The World", der Reise um die Welt, die er als erst zwanzigjähriger Begleiter der zweiten Weltumsegelung von Captain Cook 1775/1776 verfasst hatte. Doch dieselbe Stilsicherheit, dieselbe Beobachtungsgabe kommen auch in den "Ansichten" - geschärft um die Erfahrung in Forschung, Lehre und politischem Engagement, die sich Georg Forster in den 15 Jahren, die zwischen beiden Reisebüchern liegen, erworben hat.
Anders als noch auf der Cook-Expedition, war das Hauptanliegen Forsters nicht botanisch präzise und zoologisch exakte Beschreibungen noch unbekannter Arten von Tieren und Pflanzen. Seine Meisterschaft liegt neben der Beschreibung der vertrauten Landschaft nordeuropäischer Niederungen und der Landessitten der Bevölkerung in der Beobachtung des ökonomischen Zustands und der Betrachtung der politischen Verfasstheit der bereisten Staaten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2017
Willi Winkler liebt dieses Buch für Sesselreisende von Georg Forster. Dass es den Globetrotter Forster hier einmal nicht ins Exotische, sondern an den Niederrhein zieht, zur Festung Ehrenbreitstein, zu steinernen Bäumen in Galerien und zum Wacholderschnaps stört Winkler mitnichten. Wenn der Autor über Shakespeare, Rubens oder das Rumoren in Deutschland und Frankreich nachsinnt, mit wachen Augen die Welt beobachtet und die Gesellschaft von Iffland und Alexander von Humboldt pflegt, fühlt sich Winkler anspruchsvoll unterhalten und auch ein bisschen weltgereist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2016
Alexander Kosenina ist hellauf begeistert von Georg Forsters Ansichten vom Niederrhein, die er in einer aufwendigen Prachtausgabe vorliegen hat. Das hat den Vorteil, dass der Rezensent endlich den ganzen Umfang von Forsters anthropologischem Programm einer ästhetischen Erziehung wertschätzen kann, da die vom Autor auf seiner Reise beschriebenen Kunstwerke und Stadtansichten vom Kölner Dom bis zu Galerien und Kirchen in Brüssel oder Antwerpen in hochwertigen Reproduktionen im Band enthalten sind. Daneben fasziniert Kosenina vor allem der Scharfblick des Autors auf Details der Menschheitsgeschichte, der Revolution namentlich, die Forster laut Rezensent in Analogien zwischen Natur und Politik, in spannenden Kontexten und in Abgrenzung zu moralphilosophischen Sichtweisen zeitlos verpackt. Die politischen Gehalte der dokumentierten Reise erschließt dem Rezensenten nicht zuletzt das Vorwort dieser Neuausgabe von Jürgen Goldstein.
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